Ist Europa gegen Russland gewappnet?

Der russische Großangriff auf die Ukraine dauert bereits fast zwei Jahre. Inwieweit sich Europa auf eine Ausweitung des Krieges vorbereiten muss, beschäftigt die Presse.

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Gordonua.com (UA) /

Langfristige Gefahr erkannt

Der Politologe Serhij Taran analysiert in Gordonua.com den Meinungswandel in Bezug auf die von Russland ausgehende Gefahr:

„Je besser sich der Westen auf einen Krieg vorbereitet, desto unwahrscheinlicher wird dieser. Russland wird nicht gegen diejenigen Krieg führen, die dazu bereit sind. Die Perspektive einer Wiederwahl von Trump, der nicht in die europäische Sicherheit investieren will, ist für Europa zu einer kalten Dusche geworden. Und so muss Europa nun selbst in seine Sicherheit investieren. ... Während in der europäischen Vorstellung früher Putin [alleine] am Krieg schuld war, wagen die Europäer jetzt - indem sie vor einem Krieg für Jahrzehnte warnen - den Gedanken, dass sein gesamtes schwer krankes Land daran schuld ist.“

Index (HU) /

Die Nato bleibt für Putin eine Abschreckung

Militärisch wird sich Putin nicht mit dem Westen anlegen, analysiert der ehemalige ungarische Minister Gábor Fodor in Index:

„Ein Angriff auf die Ukraine ist ganz anders als ein Konflikt mit der Nato. ... Gegenüber der Ukraine hat Russland einen enormen Vorteil, aber im Vergleich mit der Atlantischen Allianz ist das nicht der Fall, im Gegenteil. ... Putin kann also über eine Rache gegen den 'bösen' Westen brüten, sieht sich dabei aber vor ernsthafte Hürden gestellt. Ihm bleiben also nur die Intrigen, die Verbreitung von Falschnachrichten, das Ausreizen interner Spaltungen und Ähnliches. Der seit zwei Jahren andauernde Krieg in unserer Nachbarschaft ist tragisch, aber die Gefahr, dass er sich zu einem globalen Krieg ausweitet, ist vorerst gering.“

Naftemporiki (GR) /

Führungslos von den USA abhängig

Europa hat nie eine eigene Position, wenn es ernst wird, klagt Naftemporiki:

„Die Frage danach, warum Europa bei jeder internationalen Krise - wirtschaftlich, politisch oder militärisch - dauerhaft übertrumpft wird, werden Historiker der Zukunft leicht beantworten. … Die EU hat keine Führung, weder auf der Ebene von Einzelpersonen noch auf der Ebene von Institutionen. Wenn ein internationales Problem auftaucht, wird die EU stets überrascht. Es folgen Tage ohrenbetäubenden Schweigens, aber jedes Land meldet sich zu Wort. Nach tagelangen Beratungen stellt die EU fest, dass sie keine eigene Position haben kann, und 'kauft' sich eine fertige Position von den USA.“

Večernji list (HR) /

Kroatien muss sich selbst verteidigen können

Der Zustand der kroatischen Streitkräfte sorgt Večernji list:

„Das Militär ist unattraktiv geworden. Die Menschen laufen ihm weg. Es gibt große Probleme mit Personalmangel, wer soll in Zukunft die ganze Technik bedienen? Wer soll zum Militär gehen? Auch die Politik hat die Streitkräfte madig gemacht. Wir haben uns selbst damit beruhigt, dass uns als Nato-Mitglied keiner etwas anhaben kann. Aber das ist eine große Täuschung. Denn es ist gut, Mitglied der Nato zu sein, aber es ist noch wichtiger, auch selbst ernsthaft an den eigenen Verteidigungskapazitäten zu arbeiten. Heute könnte Kroatien im Kriegsfall innerhalb eines Monats überrannt werden!“