Was haben vier Jahre Krieg aus Russland gemacht?

Russland hat sich seit der Ukraine-Invasion am 24. Februar 2022 auch im Innern stark gewandelt: Das Kreml-Regime hat die Zügel scharf angezogen. Doch inzwischen lahmt die durch massive Staatsaufträge und hohe Ölpreise zunächst boomende Wirtschaft und die Zahl der gefallenen Soldaten dürfte bei etwa 300.000 liegen.

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Echo (RU) /

Lähmende Angst vor der Zukunft

Die frühere Nawalny-Mitarbeiterin Lilija Tschanyschewa beschreibt in einem von Echo übernommenen Telegram-Post die Frustration der Menschen in Russland:

„Millionen harren dem Kriegsende und leben in Angst vor dem Morgen. ... Gleichzeitig steigen die Preise, die Möglichkeiten werden eingeschränkt, unabhängige Medien und öffentliche Organisationen werden geschlossen, das Internet und Messenger werden blockiert. ... Ich höre immer öfter den Satz: Wir sind müde. Die Menschen wollen Vorhersehbarkeit. ... Das Land wird immer abgeschotteter und repressiver. ... Entscheidungen werden ohne öffentliche Debatte getroffen, und die Folgen dieser Entscheidungen tragen wir alle. Dieser Krieg hat Russland bereits verändert. Aber die Kernfrage ist: Wie wird unser Land in Zukunft sein?“

Iswestija (RU) /

Arche einer eigenen Lebensart

Die kremltreue Iswestija huldigt dem Krieg als heilsame Prüfung:

„Das wichtigste Ergebnis dieser schwierigen vier Jahre war die Erlangung echter Souveränität. ... Wir haben es geschafft, die Sanktionen der stärksten und bestentwickelten Volkswirtschaften der Welt würdevoll zu überstehen. ... Wir sind zu einer Art Arche geworden, in der traditionelle geistige und moralische Werte bewahrt und geschützt werden. Die Wut der Globalisten-Elite ruft vor allem unser Bestreben hervor, nach unserem eigenen Gutdünken zu leben. ... Russland hat alle Wege und Ketten gesprengt, die uns mit dieser verrottenden Welt des gedankenlosen Konsums und Neokolonialismus verbanden.“

Svenska Dagbladet (SE) /

Ohne Sieg steht Putin mit leeren Händen da

Laut Svenska Dagbladet ist der Krieg für den Kreml zur Schicksalsfrage geworden:

„Der Krieg ist die einzige Zukunftsvision, auf die das Putin-Regime seine Legitimität stützt, und er wird für das Überleben des Regimes immer wichtiger, je mehr es innerlich verrottet. Aber es wird immer schwieriger, den Anschein des Erfolgs aufrechtzuerhalten. Die Hoffnung liegt in der Wahlverwandtschaft mit Donald Trump. In den laufenden Verhandlungen strebt der Kreml einen 'Friedensdeal' an, bei dem die Ukraine verliert (Territorium und Souveränität) und Russland als Bonus die Möglichkeit erhält, seine wirtschaftliche und militärische Macht auszubauen.“

Tageblatt (LU) /

Wie einst Reagan den Kreml in den Ruin treiben

Das Tageblatt weist darauf hin, dass es schon einmal gelungen ist, Moskau durch äußeren Einfluss in die Knie zu zwingen:

„So wie US-Präsident Ronald Reagan in den 1980er die Sowjetunion 'zugrunde gerüstet' hat, könnte durch eine verstärkte militärische Unterstützung der Ukraine durch die Europäer Putins Russland unter Druck gesetzt werden. Ähnliche und mitentscheidende Begleitumstände sind vorhanden: Die russische Wirtschaft leidet zunehmend unter dem Krieg, der immer höhere staatliche Ausgaben fordert, die Ölpreise und -einnahmen entwickeln sich zuungunsten Russlands.“