Iran: Sohn von Ali Chamenei zum Nachfolger bestimmt

Mit Modschtaba Chamenei hat der Iran einen neuen Obersten Führer. Sein Vater und Vorgänger, Ajatollah Ali Chamenei, war bei den Angriffen der USA und Israels getötet worden. Das israelische Militär bedrohte nun auch dessen Sohn. US-Präsident Donald Trump hatte bereits im Vorfeld erklärt, Modschtaba Chamenei sei für ihn "inakzeptabel" und eine iranische Führung ohne die Zustimmung Washingtons werde "nicht lange im Amt bleiben".

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The Economist (GB) /

Keine Entspannung unter Modschtaba

Mit Modschtaba Khamenei hat ein verbitterter Hardliner die Führung im Iran übernommen, so The Economist:

„Vor dem Krieg wurde spekuliert, dass Modschtaba eine iranische Version von Mohammed bin Salman werden könnte, dem saudischen Kronprinzen, der sich der Kontrolle der Geistlichkeit entzogen und die Konfrontation mit Israel entschärft hat. Aber die Ermordung seiner Familie dürfte solche Hoffnungen zunichte gemacht haben. Modschtabas Markenzeichen dürften eher Paranoia und Vergeltung sein. ... Wenn dem so ist, könnte er es vorziehen, an der Feindseligkeit seines Vaters gegenüber Israel und den Vereinigten Staaten festzuhalten, sich internen Reformen zu widersetzen und die Macht der Islamischen Revolutionsgarde zu festigen.“

Corriere della Sera (IT) /

Trump wird zur globalen Bedrohung

Der von Trump demonstrierte Machtanspruch gegenüber Iran ist für Corriere della Sera Anlass zur Sorge:

„In Trumps Welt ist das Feigenblatt der humanitären Intervention gefallen. ... Es zählt nur, was der Oberbefehlshaber der 'mächtigsten und großartigsten Kriegsmaschine, die es je gab' will. ... Jahrhunderte des Lobes für Demokratie und Selbstbestimmung der Völker landen im Papierkorb. Sechs Worte: Den neuen Führer werde ich auswählen. Das einzige unverzichtbare Merkmal des neuen Iran ist für ihn, dass er gehorsam ist. Wie Delcy Rodriguez in Caracas. Wie es Kuba sein muss. Und hier kommt der Punkt, der den Feinden den Schlaf raubt und auch den Freunden den Schlaf rauben sollte. Gibt es noch eine Abschreckung, die Trump davon abhalten kann, sich zu nehmen, was er will?“

Jutarnji list (HR) /

Pläne aus Washington gehen nicht auf

Trumps Vorstellungen, die iranische Führung nach seinen Vorstellungen aussuchen zu können, hält Jutarnji list für naiv:

„Trump hat die Warnung des National Intelligence Council ignoriert. ... Dessen Empfehlungen stellen den angekündigten Plan des US-Präsidenten von der schnellen Eliminierung der iranischen Befehlskette und der Installation einer neuen Führung nach Trumps Geschmack in Teheran infrage. ... Im Unterschied zu Trumps Optimismus haben die iranischen geistlichen und militärischen Anführer für den Fall des Mordes an Ajatollah Chamenei Protokolle entwickelt, die eine Kontinuität der Machterhaltung garantieren.“

T24 (TR) /

Ein Regime, um das niemand weint

Legitim ist nur eine Führung, die auch Rückhalt beim Volk hat, erinnert T24:

„Ein schwerer und unmoralischer Angriff auf den Iran könnte das Regime vorübergehend stärken. Solange jedoch der Legitimitätsverlust des Regimes anhält, wird sich der historische Trend nicht ändern. Gewalt kann die Ordnung aufrechterhalten, Angst kann Schweigen erzwingen, äußere Bedrohungen können die Eliten zusammenschweißen. Aber nichts kann dauerhaft die Zustimmung der Bevölkerung ersetzen. Daher ist das grundlegende Prinzip für Machthaber nicht Sicherheit, sondern Legitimität. Sicherheit ist ein Resultat von Legitimität; sie kann diese nicht ersetzen. ... Ein Regime, um das niemand weint, kann nicht bestehen.“

Diário de Notícias (PT) /

Teheran setzt auf Ermüdung und Chaos

Das Mullah-Regime spielt auf Zeit, schreibt Diário de Notícias:

„Der Iran hat erkannt, dass Donald Trump mit einem internen Problem konfrontiert ist: Der Krieg ist bei der Mehrheit der US-Amerikaner, einschließlich seiner eigenen Maga-Anhängerschaft, äußerst unbeliebt. Die iranische Strategie besteht daher darin, Zeit zu gewinnen, Chaos in der Region zu verbreiten und zu versuchen, den Konflikt auf die Golfstaaten und andere sensible Punkte im östlichen Mittelmeerraum auszuweiten. Gleichzeitig versucht das Regime, den US-Streitkräften möglichst viele Verluste zuzufügen, da es weiß, dass selbst geringe Verluste einen erheblichen Einfluss auf die Öffentlichkeit haben werden, die der 'ewigen Kriege' im Nahen Osten überdrüssig ist.“