Kann Trump den Iran-Krieg "sehr bald" beenden?
Es gibt unklare Signale, wie lange der Iran-Krieg fortgesetzt werden soll: US-Präsident Donald Trump stellte am Montag in Aussicht, die Militäroperation "sehr bald" zu beenden. Der israelische Premier Benjamin Netanjahu ließ daraufhin erklären, man sei "noch nicht fertig". Die Luftangriffe auf den Iran wurden am Dienstag verstärkt und auch Teheran setzte die Attacken auf Israel und die Golfstaaten fort. Europas Presse sucht realistische Exit-Szenarien.
Druck auf US-Präsidenten wächst
Trump wird bald die Puste ausgehen, glaubt Jutarnji list:
„Die Wahrscheinlichkeit, dass Trump tatsächlich monatelang Krieg gegen den Iran führen wird, ist gering. Er ist unter starkem Druck von US-Geschäftsleuten, darunter seiner eigenen Familie, da die Aktienkurse fallen; von Republikanern und der Öffentlichkeit, da die Spritpreise steigen. Er ist unter Druck von China, da die Krise im Iran dort ungewollte Wirtschaftsprobleme bereitet, und von Golfstaaten, die unter den iranischen Angriffen leiden und Zerstörung ausgesetzt sind. ... Das Analyseunternehmen Teneo hält es für immer wahrscheinlicher, dass Trump einseitig erklären wird, die USA hätten ihre Ziele erreicht, zum Beispiel durch die Feststellung, Irans Militärkapazitäten wären um 5 bis 10 Jahre zurückgeworfen.“
Putin wäre ein hinterhältiger Vermittler
Soziologe Igor Eidman warnt auf Facebook vor einer Involvierung Russlands als Vermittler:
„Der Kriegszustand verschafft Putin enorme Vorteile. Erstens sind die Ölpreise gestiegen. ... Das ist eine echte Rettung für den einbrechenden Haushalt. Zweitens beginnt Amerika, von Russland abhängig zu werden. Trump bekniet Putin, er möge die Ayatollahs überreden, irgendwelche Zugeständnisse vorzutäuschen, damit er aus dem Krieg aussteigen kann. Für Putin ist es jedoch nicht vorteilhaft, Trump diese Möglichkeit zu geben. ... Deshalb wird er Trump Hilfe versprechen und sie gegen die Aufhebung von Sanktionen verkaufen, aber in Wirklichkeit wird er den Ayatollahs helfen und sie davon überzeugen, keine Zugeständnisse zu machen und den Krieg fortzusetzen.“
Ein Schreckgespenst wurde geweckt
Mit dem Öl hat der Iran einen massiven Hebel in der Hand, analysiert De Telegraaf:
„Die Uhr tickt für Trump, jetzt, wo die Ölmärkte in Aufruhr sind und es noch keine Lösung gibt, um die Tanker sicher durch die Straße von Hormuz zu schleusen. Der Präsident gerät in seinem eigenen Land zunehmend unter Druck und sagte diese Woche bereits, dass der Kampf ziemlich schnell vorbei sein könnte. Aber auch hier lauert eine große Gefahr: Wenn Amerika sich der iranischen Ölwaffe beugt, bedeutet dies, dass die Ayatollahs diese in Zukunft nach Belieben einsetzen können: ein Schreckgespenst für die Golfstaaten und den Rest der Welt.“
Weiche Knie bekommen
Der steigende Ölpreis und fallende Aktienkurse haben den US-Präsidenten einknicken lassen, meint die Aargauer Zeitung:
„Gegen die Märkte kommt auch Trump nicht an. Als nach seinem Zoll-Hammer im April 2025 die Aktienkurse und US-Staatsanleihen sanken, krebste der Präsident umgehend zurück. Und nun, im Iran-Krieg, zeigt sich das Phänomen erneut. 'Taco' – am Ende macht Trump immer einen Rückzieher. Nachdem der Ölpreis um rund 50 Prozent gestiegen war und am Montag die Aktienkurse einbrachen, bekam es Trump mit der Angst zu tun. Er weiss: Höhere Preise an der Zapfsäule und tiefere Bewertungen der Altersguthaben werden ihm seine Wähler nicht verzeihen. ... Typisch Trump.“
Druck von den Golfstaaten
Die Staaten der Region werden versuchen, Trump zu einem Kriegsstopp zu bewegen, so Kolumnist Pierre Haski bei France Inter:
„Die Golfstaaten haben in den letzten Jahren Investitionen in Höhe von Hunderten Millionen Dollar angezogen und sind mit den wirtschaftlichen Interessen der USA und insbesondere denen der Familie Trump eng verbunden. Um dem US-Präsidenten klar zu machen, dass die Kosten jeden Tag steigen werden, wenn er den Krieg nicht beendet, könnten die Golfstaaten den finanziellen Hebel ansetzen. ... Heute plädieren die Monarchien am Golf, einschließlich der Emirate, für ein Kriegsende. … Sie müssen ihr stark angeschlagenes Image wiederherstellen. … Trump hört ihnen zu, aber wird er sie auch verstehen?“
Schon jetzt ein Sieg für den US-Präsidenten
Blogger Karl Woloch analysiert in einem von Espreso übernommenen Facebook-Post:
„Da dieser Krieg überhaupt keine Bodenoperation vorsieht, lässt er sich relativ einfach beenden – indem man die Angriffe einstellt. … Sowohl dieser Umstand als auch die Ergebnisse, die die Kräfte der Koalition im Iran erzielen, ermöglichen es Trump schon jetzt, diese Operation als klaren Sieg darzustellen: Das Atomprogramm wurde weit zurückgeworfen, das Raketenprogramm erheblich getroffen, die finanziellen Möglichkeiten zur Unterstützung regionaler Proxys wurden untergraben, Luftwaffe, Luftverteidigung und Marine sind nahezu vollständig zerstört, andere Teilstreitkräfte geschwächt, und die repressiven staatlichen Institutionen haben erheblichen Schaden erlitten.“
Kein Ziel erreicht
Eine Beendigung des Kriegs zum jetzigen Zeitpunkt könnte Trump als Pleite ausgelegt werden, meint Journalist Dmitri Kolesew in einem von Echo übernommenen Telegram-Post:
„Hört man jetzt auf, werden die Iraner zweifellos sagen, dass die USA eine Niederlage erlitten haben: Keines der Operationsziele wurde erreicht. Zwar wurde Chamenei getötet, die Flotte versenkt und Raketenfabriken bombardiert. Letztere können wieder aufgebaut werden. Das Regime steht noch, Chamenei wurde politisch in seinem Sohn wiedergeboren, es gab keine bedeutsamen Proteste, die Kurden sind nicht gen Teheran gezogen, 460 Kilogramm Uran sind weiterhin unter der Kontrolle der Revolutionsgarden, das Atomprogramm wurde nicht gestoppt und niemand hat mit weißer Fahne um Verhandlungen gebeten.“
Episches Fiasko droht
So leicht kommt Donald Trump aus diesem Krieg nicht wieder raus, meint Financial Times:
„Trump besitzt die fast einzigartige Fähigkeit, sich selbst dann zum Sieger zu erklären, wenn er eindeutig verloren hat. ... Doch einfach den Triumph im Iran zu verkünden und sich zurückzuziehen, dürfte nicht so einfach sein. Rund 40.000 US-Soldaten befinden sich in der Region, ebenso wie Militärbasen, wirtschaftliche Ressourcen und verwundbare Verbündete. Trump konnte diesen Krieg zu einem Zeitpunkt seiner Wahl beginnen. Ob er ihn unter denselben Bedingungen beenden kann, ist ungewiss. Die Operation 'Epic Fury' [Epischer Zorn] droht zu einem epischen Fiasko zu werden.“
Weiterkämpfen, bis das Terrorregime fällt
Die USA und Israel dürfen nicht lockerlassen, mahnt The Times:
„Manche mögen glauben, man habe sie hinsichtlich der Bedrohung durch den Irak belogen. Doch es ist töricht und unklug anzunehmen, man würde sie deshalb auch hinsichtlich der Bedrohung durch den Iran hinters Licht führen. Dessen Regime hat seit seiner Machtergreifung 1979 in seinem Feldzug gegen den Westen Tausende Amerikaner, Briten und andere getötet. ... Der jetzige Krieg mag völlig rücksichtslos erscheinen – solange die Alternative nicht vollständig verstanden wird. Wenn man sich diese vor Augen hält, wird klar, dass es absolut notwendig und unerlässlich ist, den bewaffneten Kampf fortzusetzen, bis das iranische Regime nicht mehr existiert.“