Angriffe auf South Pars: Vorboten einer globalen Krise?

Gegenseitige Angriffe auf die Förder- und Verarbeitungsinfrastruktur am größten Gasfeld der Welt haben die Erdgaspreise drastisch steigen lassen: Nun stehen Befürchtungen im Raum, dass es – neben den Transportproblemen durch die faktische Blockade der Straße von Hormus – zu noch größeren Engpässen auf dem Gasmarkt kommen könnte. Die Medien zeichnen Szenarien eines globalen energetischen Ernstfalls.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung (DE) /

Eskalationsgefahr wird unterschätzt

Donald Trump hat dem Iran mit einem vernichtenden Schlag auf seine Gasförderung gedroht, sollte er nochmals Katars Anlagen angreifen. Laut Frankfurter Allgemeine Zeitung schätzt Trump die Risiken falsch ein:

„[D]ie Folgen [wären] auch groß für die Weltwirtschaft, denn das zwischen Iran und Qatar geteilte Feld ist wichtig für den Export nach Asien und Europa. Die Wirkung der amerikanisch-israelischen Luftschläge sollte man nicht unterschätzen. Aber nur das im jahrzehntelangen Überlebenskampf gestählte Israel ist bereit, hohe Kosten in Kauf zu nehmen. Die Europäer sind raus, Trumps Wähler ungeduldig, Amerikas Verbündete am Golf immer wieder schutzlos – das iranische Regime hat noch nicht verloren.“

Mladina (SI) /

Drohender Absturz in die Stagflation

Die potenziell bevorstehende Energiekrise würde Europa erneut am härtesten treffen, konstatiert Mladina:

„Der Angriff der USA und Israels auf den Iran bedeutet, ähnlich wie die russische Invasion in der Ukraine vor vier Jahren, den Beginn einer globalen Energiekrise. ... Das Problem sind nicht nur die Preise, sondern der physische Ausfall des Angebots an Energieträgern und anderen strategischen Rohstoffen. ... Deren Mangel könnte innerhalb weniger Kriegsmonate zu einer verhängnisvollen Stagflation und einer Krise der Weltwirtschaft führen. Der globale Kampf um Ölressourcen und Interessen bringt auch diesmal die heiklen Beziehungen zwischen regionalen und globalen Mächten ans Licht. ... Auch in dieser Krise ist die EU wieder der am stärksten betroffene strategische Global Player.“

Diena (LV) /

Realer Mangel führt zu Rückschritt

Diena denkt das drohende Szenario noch weiter:

„Die Welt spaltet sich in Energieblöcke sowie in Länder mit Zugang zu Ressourcen und solche, die auf Importe angewiesen sind. ... Konkret bedeutet dies, dass importabhängige Länder oder Bündnisse auf eine Art Kriegswirtschaft umstellen müssen – mit strikter Rationierung von Energie und Ressourcen. Der Staat entscheidet dann, welche Sektoren überleben und welche geopfert werden. Hinzu kommt ein erzwungener technologischer Rückschritt, da die Länder zu einfacheren (und damit kostengünstigeren) Produktionsmethoden zurückkehren müssen. Hochtechnologie erfordert nämlich die Stabilität globaler Lieferketten, die zerstört wurde.“

Corriere della Sera (IT) /

Volle Kapazität erst wieder nach Jahren

Corriere della Sera fürchtet Engpässe vor allem bei Erdgas:

„Wäre der Gasmarkt nicht in den Golfkonflikt hineingezogen worden, stünde Europa nicht vor seiner zweiten strukturellen Energiekrise innerhalb von vier Jahren. ... Stattdessen haben die letzten 48 Stunden eine weitere Eskalation des Konflikts markiert, wobei Öl- und Gasanlagen zu Geiseln werden, gegen die beide Seiten wüten. Einem israelischen Angriff auf South Pars, also die [iranische] Infrastruktur des Gasfeldes, das Teheran mit Doha teilt, folgte ein iranischer Angriff auf die katarische Anlage in Ras Laffan. Da letztere einer der größten Produzenten von Flüssigerdgas ist und Jahre benötigen wird, um wieder die volle Kapazität zu erreichen, zieht der Golfkrieg der globalen Wirtschaft noch weiter die Daumenschrauben an.“

Göteborgs-Posten (SE) /

Auch die Lebensmittelproduktion wäre gefährdet

Göteborgs-Posten warnt davor, den Agrarsektor bei Vorbereitungen auf eine drohende Treibstoffkrise zu ignorieren:

„Sie erfordert entweder eine (kurzfristig schwierige) vollständige Elektrifizierung unserer Landwirtschaft oder ausreichende Treibstoffreserven, um unsere Lebensmittelproduktion aufrechtzuerhalten. ... Schweden plant, Reserven an Ölprodukten wie Benzin, Diesel und Flugturbinenkraftstoff für etwa 90 Tage vorzuhalten. Es gibt also keine speziell für die Lebensmittelindustrie vorgesehene Reserve. Das bedeutet, dass wir in Schweden im Falle schwerer Krisen, die die Treibstoffimporte beeinträchtigen, die Versorgung mit Nahrungsmitteln nicht gewährleisten können.“