Trump eckt an: Götterdämmerung im Weißen Haus?

Wankelmütigkeit und wenig Taktgefühl wurden Donald Trump schon bald nach Beginn seiner zweiten Amtszeit vorgeworfen. Inzwischen macht der US-Präsident jedoch auch mit verstörenden Kraftsprüchen und KI-Bildern Schlagzeilen. Im außenpolitischen Vorgehen – sei es im Iran-Krieg, der Nato oder in Ungarn – und seinem Clinch mit Papst Leo XIV. sehen die Medien Indizien für einen Niedergang des Trumpismus.

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Newsweek Polska (PL) /

US-Präsident riskiert Niederlage bei Zwischenwahlen

Newsweek Polska sieht im Konflikt mit dem Papst eine ernsthafte Bedrohung der Machtbasis des US-Präsidenten:

„Als Trump im Mai letzten Jahres – kurz vor der Wahl von Leo XIV. – ein von einer KI generiertes Bild veröffentlichte, auf dem er päpstliche Gewänder und eine Mitra trug, fiel die Reaktion unter den amerikanischen Katholiken verhalten aus. Kein Vergleich zur Welle der Empörung, die vor einigen Tagen ein neues KI-Bild ausgelöst hat – eines, das Trump als neuen Christus zeigt, der Kranke heilt. ... Trump würde den Papst wohl gerne exkommunizieren. ... Indem er ihm den Krieg erklärt, bereitet er einer Niederlage bei den Zwischenwahlen im November den Boden.“

El Periódico de Catalunya (ES) /

Er wandelt nicht mehr über Wasser

El Periódico de Catalunya konstatiert bei Trump Abnutzungseffekte, die auf das ganze Rechtsaußen-Lager ausstrahlen:

Viktor Orbáns Niederlage, der Konflikt zwischen Donald Trump und Giorgia Meloni, der Angriff auf Papst Leo XIV. und die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges haben die Stimmung des politischen Augenblicks verändert. ... Solange sich die extreme Rechte auf Anti-Politik und Identität konzentrierte, verlief ihre Wachstumskurve steil. ... Jetzt, wo Trump seine Liste der 'Anderen' täglich erweitert (Europa, die persische Zivilisation, der Papst, die Katholiken ...), leiden seine europäischen Partner. ... Trump wandelt nicht mehr über Wasser. ... Wo er einst wie ein unvermeidliches Phänomen erschien, zeigt er nun Verschleißerscheinungen. ...Deshalb runzelt Europas extreme Rechte die Stirn.“

Kronen Zeitung (AT) /

Polit-Machos stehen bei ihm hoch im Kurs

Trump fühlt sich bei hartgesottenen Diktatoren besser aufgehoben als beim "schwachen" Papst, betont die Kronen Zeitung:

„In der Welt aus den Fugen ist wirklich nichts mehr unmöglich: Der Führer eines bis vor Kurzem bedeutenden Landes, der sich selbst als Jesus der Heiland darstellt, watscht den Papst ab... Und der Heilige Vater lässt sich das nicht gefallen und schießt zurück. ... Was hat der Papst verbrochen? Er kritisierte den Krieg wie seine Vorgänger Paul VI. jenen in Vietnam und Johannes Paul II. jenen im Irak. Kritik kommt bei Trump aber ganz schlecht an, besonders von so einer, wörtlich, 'schwachen Person'. Trump achtet nur starke Männer, wie seine Lieblingsdiktatoren in Nordkorea oder Belarus.“

Wolodymyr Fessenko (UA) /

Beziehungen eine Ebene tiefer pflegen

Politologe Wolodymyr Fessenko formuliert auf Facebook Empfehlungen für den Umgang mit den USA:

„Angesichts der Eigenarten der Personen, die derzeit die USA führen, sowie der aktuellen Lage in und um die USA sollte die Ukraine den Fokus meiner Ansicht nach weniger auf die Beziehungen zu den obersten Entscheidungsträgern der Vereinigten Staaten legen, sondern vielmehr auf die Aufrechterhaltung und Stärkung institutioneller, funktionaler und sektoraler Verbindungen sowie auf freundschaftliche Beziehungen zu einzelnen Vertretern der politischen, wirtschaftlichen und administrativen Eliten. Eine solche Taktik könnte es uns ermöglichen, die derzeit schwierigen Zeiten in den Beziehungen zu den USA zu überstehen.“