Ebola-Ausbruch im Kongo: Was tun?

In der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda ist die lebensgefährliche Infektionskrankheit Ebola ausgebrochen. Bislang wurden mehrere Hundert Verdachtsfälle und über 130 Tote gemeldet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief den internationalen Gesundheitsnotstand aus. Gegen die derzeit grassierende seltene Virusvariante gibt es weder Impfstoffe noch heilende Therapie.

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The Guardian (GB) /

Alle müssen mit anpacken

Die Weltgemeinschaft kann es sich nicht leisten, tatenlos zuzuschauen, mahnt The Guardian:

„Ebola-Ausbrüche konnten in der Vergangenheit eingedämmt werden. Es fehlt weniger an Wissen als vielmehr an ausreichend Personal, Schutzausrüstung, Laborkapazitäten und Logistik. ... Im Moment brauchen die Regierungen der Demokratischen Republik Kongo und Ugandas die Aufmerksamkeit, Zusammenarbeit und Unterstützung der Weltgemeinschaft, um die nötigen Ressourcen zu erhalten und diesen Ausbruch zu stoppen. Wenn das Haus des Nachbarn brennt, wartet man nicht einfach ab und schaut zu. Man hilft, das Feuer zu löschen, bevor die Flammen auf das eigene Haus übergreifen. Genau so vernetzt ist die Welt, in der wir leben – und genau darin liegt eine wichtige Lehre für alle Politiker.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung (DE) /

Afrika nicht unter Generalverdacht stellen

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung warnt vor Klischees:

„Da ist es wieder, das Bild von Afrika als Kontinent der Krankheiten, Krisen und Katastrophen, wobei nicht zwischen Regionen oder Ländern unterschieden wird. Vor zwölf Jahren brach selbst bei Safari-Anbietern in Südafrika wegen Ebola der Umsatz ein, obwohl Sierra Leone näher an Europa liegt als an Südafrika. Sicherlich zu Recht hat die Weltgesundheitsorganisation den jetzigen Ebola-Ausbruch als internationalen Gesundheitsnotstand deklariert. Hoffentlich bringt das nicht wieder 54 afrikanische Länder in Generalverdacht, kontaminiert zu sein.“

Financial Times (GB) /

Ungenügend auf nächste Pandemie vorbereitet

Der Rückgang von Unterstützung für Hilfsorganisationen hat drastische Folgen, erklärt Financial Times:

„Die Gesundheitssysteme ärmerer Länder müssen sich auf deutlich geringere internationale Hilfen einstellen, die im vergangenen Jahr um den Rekordwert von 23 Prozent zurückgegangen sind. ... Die WHO ist durch den Austritt der USA sowie Argentiniens geschwächt. … Die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC), die bei der Eindämmung von Epidemien bislang eine führende Rolle spielte, befindet sich infolge drastischer Kürzungen durch die Trump-Regierung im Chaos. … Weltweit kommen die Bemühungen, sich sechs Jahre nach dem Schock der Covid-19-Pandemie auf die nächste große Pandemie vorzubereiten, nur schleppend voran.“

Polityka (PL) /

Meldesysteme verbessern

Polityka sieht Nachholbedarf bei der Infektionsüberwachung:

„Das bedeutet nicht, dass die Welt heute am Beginn einer neuen Pandemie steht. Ebola kehrt heute nicht als Virus von pandemischer Tragweite zurück, sondern eher als Warnung. Glücklicherweise verbreitet es sich trotz seiner enormen Medienpräsenz deutlich schwerer als das Coronavirus oder die Grippe. Aber genau deshalb beunruhigt die aktuelle Situation die Experten so sehr. Wenn es sogar einem relativ wenig mobilen Erreger gelungen ist, sich in einem solchen Ausmaß auszubreiten, bevor er offiziell erkannt wurde, bedeutet dies, dass die Systeme der epidemiologischen Überwachung nach wie vor große Lücken aufweisen.“

Le Soir (BE) /

An Fakten und Wissenschaft orientieren

Der Pharmakologe Jean-Michel Dogné erklärt in Le Soir sinnvolles Reagieren:

„Nicht alle Viren sind potenzielle Covid-Viren. Die Wissenschaftler müssen weiterhin stichhaltig und didaktisch Erklärungen vorbringen und dabei die Ungewissheit anerkennen, ohne jedoch zu stark zu vereinfachen. Die sozialen Netzwerke dürfen ihre Rolle bei der Verbreitung von irreführenden oder polarisierenden Inhalten nicht länger ignorieren. … Hantavirus Andes, Ebola Bundibugyo: Diese Namen sollten keine Panik auslösen oder Wahnvorstellungen fördern. ... Zwischen Leugnung und Aufregung gibt es einen anspruchsvolleren Weg, der auf Fakten, Mäßigung und kritischem Denken basiert. Doch diesen Weg vernachlässigen wir weiterhin kollektiv.“