Wassernotstand im Süden Lissabons
In der portugiesischen Küstenregion rund um Almada bleiben seit mehr als einer Woche immer wieder die Wasserhähne trocken – mitten in der Hochsaison. Die Einwohner- und Touristenzahlen in der Region steigen seit Langem, dennoch kommt die Modernisierung des Versorgungsnetzes nicht voran, zudem geht nicht weniger als ein Drittel des Wassers durch Lecks verloren. Portugiesische Medien fordern Konsequenzen.
Portugal braucht eine seriöse Versorgungsstrategie
Die Situation sollte ein Weckruf sein, schreibt Visão:
„Portugal scheint erst spät zu erkennen, dass Wasser – ob in Almada oder im Rest des Landes – weder bei Pressekonferenzen noch in Reden von Politikern und Kommunalpolitikern entsteht, noch in den Renderings der Luxusresorts, die an unserer schönen Küste wie Pilze aus dem Boden schießen, noch in den digitalen Versprechungen der Cloud. Es entspringt dort, wo es schon immer entsprungen ist: im Boden, in den Flüssen, in den Grundwasserspeichern, im Regen. ... Portugal braucht klare öffentliche Karten, transparente Daten, eine seriöse Überwachung des Grundwasserpegels, die Erneuerung der Leitungsnetze, eine wirksame Bekämpfung von Wasserverlusten, die Wiederverwendung von Abwasser sowie eine weniger unverantwortliche Stadt- und Tourismusplanung.“
Es ist eine Schande
Correio da Manhã zeigt sich empört:
„Der Zusammenbruch der Wasserversorgung in Almada ist eine Schande für die Kommunalverwaltung. Ob aus Inkompetenz, Nachlässigkeit oder was auch immer – es ist nicht hinnehmbar, dass Tausende von Menschen seit über einem Monat mit Wassermangel zu kämpfen haben, mitten im Sommer, in einer Tourismusregion, vor den Toren der Hauptstadt. … Das wirft ein schlechtes Licht auf die Kommunalpolitiker, die sich täglich bemühen, die Probleme der Menschen zu lösen, die sie gewählt haben. Und das ist die erste wichtige Lehre, die wir aus diesem bedauerlichen Vorfall ziehen können: die Bedeutung der Kommunalwahlen und wie unsere Wahlentscheidung unseren Alltag beeinflusst.“
Wähler müssen Inkompetenz bestrafen
Für Diário de Notícias steht auch die Demokratie auf dem Prüfstand:
„Wenn die Stadtverwaltung von Almada über mehr als 40 Jahre hinweg das Problem des Verfalls des öffentlichen Versorgungsnetzes nicht gelöst hat, warum haben die Wähler diesen Zustand dann hingenommen? Diese Frage ist von zentraler Bedeutung, denn sie verweist auf die Rolle, die die Bürger in einer Demokratie spielen müssen… Kompetenz, Effizienz und gute Regierungsführung sind durch das demokratische System nicht garantiert; sie hängen ausschließlich von uns und den Wahlentscheidungen ab, die wir treffen. Und wenn diese Wahlentscheidungen von schlechter Qualität sind, ist das demokratische System selbst in Gefahr – mit Folgen, die uns die Geschichte lehrt: Es kann zum Spielball von Populismus und Demagogie werden und schließlich in eine Tyrannei münden.“
Blind in die nächste Krise
Frankreichs Politik nimmt wissentlich ähnliche Szenarien in Kauf, kritisiert Le Monde:
„Im Angesicht der fortschreitenden Wasserknappheit haben die Mitglieder des Senats am 3. Juli ohne zu zögern für die schlichte Abschaffung jener demokratischen Grundsätze gestimmt, auf denen die lokalen Gremien der Wasserverwaltung beruhen – zugunsten einiger weniger Bewässerungsbetriebe. Schon heute sieht man, wie die Kundschaft in manchen Supermärkten handgreiflich wird, um die letzten Ventilatoren in den Regalen zu ergattern: Was wird geschehen, wenn künftig das Wasser knapp wird? Dann wird sich zweifellos jemand finden, der fragt: 'Wer hätte das vorhersehen können?' Doch die Zukunft ist nicht nur vorhersehbar, sie wird gerade geschrieben.“