Was tun gegen Wassermangel in Europa?

Die derzeitige Rekordhitze in vielen Ländern Europas verursacht in spürbarem Ausmaß auch Wasserknappheit. Grundwasserspiegel und Pegelstände von Flüssen sinken, Böden trocknen aus, Natur verdorrt. Kommentatoren blicken mit Sorge auf die Lage, haben aber auch klare Empfehlungen.

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Die Zeit (DE) /

Nach der Zeitenwende braucht es die Hitzewende

Die Zeit weist darauf hin, dass es für den richtigen Umgang mit der Krise durchaus Vorbilder gibt:

„Als Putin 2022 die Ukraine angriff und immer klarer wurde, dass er ganz Europa bedroht, verkündete der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz die 'Zeitenwende'. Es gab EU-Gipfeltreffen, Regierungen legten Rüstungsprogramme auf, fast über Nacht. ... Und schon kurz nachdem am vergangenen Wochenende Zehntausende junge Männer versucht hatten, über das spanische Ceuta in die EU zu gelangen, berieten die Innenminister die Konsequenzen. Europa versteht sich auf Tempo, wenn es will. Auf die Hitze jedoch reagiert es ganz langsam. ... Nach der Zeitenwende brauchen wir die Hitzewende, im Großen und im Kleinen.“

Pravda (SK) /

Kein Konzept gegen Knappheit in Sicht

Pravda zeigt sich alarmiert:

„Experten zufolge wurde der niedrige Wasserstand der Flüsse nicht durch ausbleibenden Regen verursacht – wie nach einem trockenen Winter und ebenso trockenen Monaten März, April und Juni zu erwarten wäre –, sondern durch sehr hohe Temperaturen und starke Verdunstung. Die alarmierende Situation betrifft derzeit nicht nur Mitteleuropa, in das eine extreme Hitzewelle eingedrungen ist; fast ganz Europa ist betroffen. ... Wenn es nicht regnet, gehen die Grundwasserreserven zur Neige. Die Wasserversorgung in der Slowakei ist regional gefährdet. Noch macht sich niemand wirklich Gedanken darüber. ... Gibt es Szenarien, wie wir mit der Wasserknappheit umgehen sollen? Bisher herrscht Stillschweigen.“

Libération (FR) /

Der neuen Realität begegnen

Die Staaten Europas müssen sich gemeinsam an die neue Lage anpassen, fordert Libération:

„Die Klimaerwärmung vergrößert nicht nur das Risiko einer Zunahme von verheerenden Bränden, die das Ökosystem einer Region zerstören, sowie Dürrephasen, die zu Ernteausfällen und Gießverboten führen. Ständig neue Geschehnisse lähmen die europäische Wirtschaft und die Dominoeffekte setzen sich permanent in atemberaubendem Tempo fort. … Das Phänomen ist keine Ausnahme mehr und nicht länger auf eine Jahreszeit begrenzt. Es ist unsere neue Normalität. ... Und die Uhren stehen nunmehr auf Anpassung und vor allem Zusammenarbeit, denn nur ein umfassender und geteilter Ansatz kann diese neue europäische Realität erfassen, anpassen und erfinden.“

NRC (NL) /

Wer bekommt die letzten Tropfen?

In den Niederlanden müssen sich ganze Branchen wie Blumen- und Gemüsezüchter ernste Gedanken um ihre Existenz machen, warnt NRC:

„Immer feuchtere Winter und trockenere Sommer erfordern tiefgreifende Anpassungen. ... Wirtschaftszweige wie die Binnenschifffahrt und Umschlagunternehmen, Blumenzwiebel- und Baumzüchter, Ackerbauern und andere Wasserverbraucher müssen sich überlegen, wie sie mit weniger Wasser auskommen können. Wie sie auch bei Trockenheit florieren können. Denn wenn entschieden werden muss, wie die letzten Tropfen verteilt werden, ist es zu spät.“

Le Temps (CH) /

Spiegel unserer Verletzlichkeit

In Le Temps fordert die Nationalrätin der Grünen, Delphine Klopfenstein Broggini, konkretes Handeln:

„Wasser ist zum Symbol unserer Verwundbarkeit geworden. Die Gletscher schmelzen, die Dürren verschärfen sich, die Grundwasservorkommen füllen sich langsamer auf und die Seen erwärmen sich. ... Wir müssen aus der fossilen Energie aussteigen, in den öffentlichen Nahverkehr, die aktive Mobilität, erneuerbare Energien und Energieeffizienz investieren. Gleichzeitig müssen wir unser Land auf die bereits unvermeidbaren Folgen vorbereiten, indem wir die Wälder und Grundwasservorkommen schützen. .... Der Einsatz für das Wasser ist auch ein Schutz unserer Gesundheit, Ernährungssicherheit, Wirtschaft und unserer Fähigkeit, dem Klimawandel entgegenzutreten.“

Krónika (RO) /

Sparen wird unabdingbar

Die Donauländer müssen ihre Wasserpolitik überdenken, meint Krónika:

„Der rekordtiefe Wasserstand der Donau ist keine einmalige, abstrakte oder ferne Tragödie der Natur, sondern der Moment, in dem unser komfortabler Lebensstil bereits frontal mit der physischen Realität zusammenstößt. Wasser ist nicht mehr selbstverständlich, sondern einer der wichtigsten Garanten für das Überleben – sowohl in individueller als auch gemeinschaftlicher, wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Hinsicht. Eine wasserhaltende Landschaft, technologische Anpassung und ein Bewusstsein für Sparsamkeit in der Bevölkerung sind heute nicht mehr nur eine 'grüne' Marotte, eine Option, sondern eine unumgängliche Garantie für unsere Zukunft.“

The Guardian (GB) /

Dürre schafft Ungerechtigkeit

Die Wasserknappheit verschärft bestehende Ungleichheiten noch weiter, so The Guardian:

„Einige der in den letzten Wochen zutage getretenen Ungerechtigkeiten sind in ihrer Vorhersehbarkeit schockierend. Ausnahmeregelungen, die es Golfplätzen und Schulen mit großen Sportanlagen erlauben, Rasenflächen weiter zu bewässern, während dies den Kommunen und Haushalten untersagt ist, haben für berechtigte Empörung gesorgt. ... Die globale Erwärmung wird bestehende Ungleichheitsmuster verstärken, aber auch neue schaffen. Gesellschaft und Regierungen müssen sich auf beides vorbereiten. Die Dürre dieses Sommers macht deutlich, wie dringend das ist. “