USA drohen Iran mit Wirtschaftskrieg

Die US-Regierung erhöht im Konflikt mit dem Iran den ökonomischen Druck. Finanzminister Scott Bessent wiederholte am Montag Präsident Trumps Drohung mit einem „wirtschaftlichen D-Day“. Ziel sei es, den Iran von allen Einnahmequellen abzuschneiden. Staaten, die Handelsbeziehungen zum Iran unterhalten, forderte Bessent auf, diese sofort zu beenden.

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Dnevnik (SI) /

Säbelrasseln eines Verzweifelten

Dnevnik sieht keine unmittelbare Eskalationsgefahr:

„Tatsächlich sind die Sanktionsdrohungen recht vage, da sie keinen klaren Zeitplan enthalten, wann sie in Kraft treten könnten und welche Länder davon betroffen sein könnten; Dies zeigt, dass die USA erneut präventiv mit ihrer wirtschaftlichen Bazooka rasseln, bevor sie bereit sind, den Abzug zu drücken und die weltweite Finanzordnung erneut ins Wanken zu bringen. Die Ankündigung neuer US-Sanktionen und der Aufruf an die Staaten weltweit, selbst das Nötige zu tun, ist somit ein weiterer Hilferuf eines Verzweifelten in der Wildnis des Persischen Golfs. Die US-Regierung möchte mit einigermaßen erhobenem Haupt aus der Mündung der Straße von Hormus zurückkehren und eine völlige Blamage vermeiden.“

The Irish Times (IE) /

Unrealistische Vorstellungen

Trumps Drohungen hält The Irish Times für weitgehend wirkungslos:

„Es gibt kaum Grund zu der Annahme, dass sie den Krieg verkürzen werden, wie Trump versprochen hat. Auch werden sie im Vorfeld der US-Zwischenwahlen nicht dazu beitragen, die Preise an den Tankstellen zu senken, die mittlerweile ebenso sehr von der weltweiten Knappheit an Raffineriekapazitäten wie von Rohölengpässen abhängen. ... Die Vorstellung, die USA könnten Irans Importe oder Exporte oder dessen Zugang zu Devisen schnell unterbinden, ist unrealistisch. ... Trumps neue Offensive wird dem Iran weiteren Schaden zufügen, dürfte aber ebenso sicher scheitern wie seine Militärkampagne, die im Sande verlaufen ist.“

Neue Zürcher Zeitung (CH) /

Sanktionen werden ihr Ziel nicht erreichen

Die Neue Zürcher Zeitung hält die Sanktionsstrategie der USA für logisch nicht stringent:

„Sie geht davon aus, dass das Regime unter dem Druck entweder zusammenbrechen muss oder zu Konzessionen bereit sein wird, die es bisher ablehnte. Konkret wären dies die Aufgabe des Atomprogramms, die Auslieferung hochangereicherten Urans, eine Beschränkung des Raketenprogramms, der Verzicht auf die Finanzierung ausländischer Milizen und die freie Durchfahrt durch die Strasse von Hormuz. Aber das ist Wunschdenken. Teheran ist mittlerweile überzeugt, dass es letztlich Trumps Ziel ist, das Regime zu stürzen. Wieso sollte es genau jene Rüstungsprogramme und Machtinstrumente aufgeben, die es künftig vor weiteren amerikanischen Angriffen schützen sollen?“

France Inter (FR) /

Trump unterschätzt Teheran

Der Iran kann Handelsblockaden gut umgehen, erläutert Kolumnist Pierre Haski in France Inter:

„Donald Trump unterschätzt seinen Gegner. Der Iran lebt seit Jahrzehnten mit Wirtschaftssanktionen, er ist neben Nordkorea das weltweit am stärksten sanktionierte Land. Selbst wenn er das Drehkreuz Dubai verloren hat, über das seine Finanztransaktionen liefen, versteht er es, Verbote zu umgehen. Der Iran hat Landgrenzen zu vielen Staaten, darunter die Türkei und Pakistan, sowie das Kaspische Meer als Grenze zu Russland. Somit verfügt er über viele Routen, die einer US-Kontrolle entgehen können.“

De Standaard (BE) /

Seifenoper zum Amüsement Pekings

Trump wird seine Drohungen wegen ihrer schweren Konsequenzen nicht umsetzen, ist sich De Standaard sicher:

„Es scheint, als würden wir erneut eine Trump-Seifenoper sehen, in der der Präsident zunächst eine riesige Bazooka hervorholt, um dann festzustellen, dass das Risiko, sich selbst ins Bein zu schießen, doch sehr groß ist. Das Spektakel endet dann ebenso abrupt, wie es begonnen hat. In Peking wird man dieses Vorgehen allmählich als lächerlich und erbärmlich ansehen. Der Mann, der gerne als der mächtigste Mann der Welt leben möchte, verspielt damit erneut seine Glaubwürdigkeit als geopolitischer Makler.“