Stromausfall in Kuba: Was folgt auf die Energiekrise?
Ein landesweiter Blackout hat am Montag die rund zehn Millionen Kubaner vom Stromnetz abgeschnitten. Das sozialistisch regierte Land leidet immer wieder unter Stromausfällen und befindet sich in einer schweren Energiekrise. Die USA haben ein Öl-Embargo über Kuba verhängt und US-Präsident Donald Trump erklärte, ihm falle wohl "die Ehre" zu, Kuba einzunehmen. Kommentatoren debattieren, was für die Lage verantwortlich ist und welche Auswirkungen sie haben könnte.
Wieder ohne politisches Konzept
Wie schon beim Vorgehen gegen Venezuela und Iran bleibt völlig unklar, was das Ziel ist, kritisiert die Frankfurter Rundschau:
„Trumps Forderung nach dem Rücktritt des kubanischen Präsidenten Miguel Díaz-Canel mag dem Narzissten im Weißen Haus die Genugtuung verschaffen, einen weiteren Regierungschef beseitigen zu können. Doch hilft das weder den Kubanerinnen und Kubanern, noch wird damit beantwortet, wie es mit dem Inselstaat weitergehen soll. ... Soll das kommunistische Land in eine Demokratie umgewandelt werden? Soll Kuba wieder aufgebaut werden? Und wenn ja, mit welchen politischen Kräften sollen diese Ziele erreicht werden? ... [M]it diesen Fragen scheinen sich die schlichten Gemüter der Trump-Regierung noch nicht einmal zu beschäftigen.“
Trump hofft als Eroberer zu glänzen
El Periódico de Catalunya beschreibt mögliche Motive des Vorgehens von Trump:
„Eine Veränderung ist seit vielen Jahren nötig, das ist offensichtlich. ... [Staatspräsident Miguel] Díaz-Canel will nun Investitionen der US-Kubaner erleichtern, aber das kommt zu spät. Die Insel ist am Tiefpunkt und die USA sind entschlossen, ihre Macht und ihren Einfluss in Lateinamerika mit allen Mitteln zurückzugewinnen. ... Trump glaubt vermutlich, dass er aus der Eroberung Kubas die Vorteile ziehen kann, die ihm der ungewisse Krieg mit dem Iran nicht gebracht hat. ... Die Erschöpfung des kubanischen Volkes und die internationale Isolation des Regimes sind ideale Voraussetzungen dafür, eine Befreiung mit der traditionellen interventionistischen Politik der USA zu verwechseln.“
Umsturz hängt von Sicherheitskräften ab
Das Volk allein kann die Regierung nicht stürzen, betont Ilta-Sanomat:
„Der Stromausfall mit all seinen unangenehmen Folgen war ein konkreter und zugleich symbolträchtiger Beweis dafür, dass Kubas sozialistisches Einparteiensystem nicht in der Lage ist, die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen. ... Das Weiße Haus hofft, dass die des Elends überdrüssigen Kubaner auf die Straße gehen und ihre Regierung aus eigener Kraft stürzen. Das ist möglich. Eine wütende Menschenmenge hat am Freitag das Büro der Kommunistischen Partei in der Stadt Morón in Brand gesetzt. Es könnte zu weiteren Protesten kommen, doch es ist auch mit harten Gegenmaßnahmen zu rechnen. Die Revolution stirbt erst dann, wenn die Streitkräfte, die Sicherheitskräfte und die Polizei ihre Unterstützung verweigern.“
Dank Sozialismus im Dunkeln
Kuba ist für den Blackout selbst verantwortlich, meint Diário de Notícias:
„Das US-Embargo ist nichts weiter als ein statistisches Rauschen in einer Gleichung des systemischen Zusammenbruchs. Hätte das [kubanische] Regime Geld, würde es Öl auf jedem beliebigen Markt kaufen. ... Kubas Problem ist nicht, dass es keine Kaufgenehmigung hat, sondern dass es nichts hat, womit es bezahlen könnte, denn sein Wirtschaftssystem ist ein Motor der Vermögensvernichtung. … Leider ist für die Millionen Menschen, die dort leben, das Einzige, was der Sozialismus in Kuba gleichmäßig verteilt hat, die Dunkelheit.“