Iran-Krieg: Weitere Eskalation oder Gespräche?

Die zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg läuft am Mittwoch aus. Bislang ist unklar, ob es bis dahin zu neuen Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA in Islamabad kommen wird. Vizepräsident J.D. Vance ist nach Medienberichten gewillt, am heutigen Dienstag nach Pakistan aufzubrechen. Kommentatoren hegen in der gegenwärtigen Lage keine großen Hoffnungen auf eine Einigung.

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Ilta-Sanomat (FI) /

Obsession statt Vernunft

Der Iran wird kaum auf das Atomprogramm verzichten, befürchtet Ilta-Sanomat:

„Keine der Parteien profitiert mehr von einer Fortsetzung des Krieges. … Die Infrastruktur des Iran wurde bereits so stark zerstört, dass der Wiederaufbau Jahre dauern wird. … Wenn Trump das Uran bekäme, könnte er den Sieg als leicht errungen erklären. Im Gegenzug könnten die Iraner neben Frieden auch die Aufhebung der Sanktionen erhalten. Das Atomprogramm scheint jedoch für die Iraner zu einer Obsession geworden zu sein, obwohl es dem Land keine Sicherheit, sondern nur Zerstörung gebracht hat. Wenn die Welt vernünftig handeln würde, wäre der Frieden bereits geschlossen. Die Welt handelt nicht vernünftig.“

La Stampa (IT) /

Kaum verhandelbare Situation

Die zweiwöchige Kampfpause hat einen Frieden nicht näher gebracht, bedauert La Stampa:

„Wir befinden uns nicht in einem Übergang vom Krieg zum Frieden, sondern in einer Waffenruhe, die keinen Frieden einleitet, sondern ihn aufschiebt. ... Der entscheidende Punkt ist nicht, dass die Waffenruhe ausläuft, sondern dass sie bereits untergraben ist. Es wird verhandelt, während Schiffe beschlagnahmt, Bombardements angedroht und die Straße von Hormus gesperrt werden. Die Diplomatie ersetzt den Druck nicht, sondern begleitet ihn. Das Problem besteht nicht nur darin, zu verhandeln, sondern die Situation verhandelbar zu machen.“

Tages-Anzeiger (CH) /

Die Sekte der Systemhüter

Der Tages-Anzeiger erklärt, wie Irans mächtige Revolutionsgarde tickt:

„Die Garde hat etwas von einer Sekte, ihre Kämpfer halten sich für auserwählt – dafür, das Regime zu sichern, das ist ihr Auftrag. Nicht den Iran, das Land, sondern die Islamische Republik. Weshalb die Drohungen aus dem Weissen Haus, man werde die Infrastruktur des Landes angreifen, sie nicht sonderlich beeindrucken. Der aktuelle Krieg ist der Ernstfall, auf den sie sich seit Jahrzehnten vorbereitet haben. Er ist nicht, wie für Donald Trump, ein Thema von mehreren. Jemand wie [Gardekommandeur] Ahmad Vahidi fühlt sich in einem historischen Moment, jenem, in dem das System seinen grössten Test erlebt.“

Kurier (AT) /

Riss im Machtgefüge

Die Fronten innerhalb des iranischen Regimes betrachtet der Kurier:

„Der Iran hat kaum noch Luft, ehe seine Wirtschaft endgültig zusammenbricht. ... Das aber scheinen nur einige politische Führungsfiguren in Teheran zu sehen, während die Revolutionsgarden keinen Millimeter zurückweichen wollen. Der Riss im Machtgefüge im Iran ist also schon erkennbar zwischen jenen, die das Land mit erheblichen, aber noch mühsam zu erringenden Zugeständnissen an die USA aus dem Krieg führen wollen. Und jenen, die den Gottesstaat mit der blinden Wut von religiösem Fanatismus eher der Vernichtung preisgeben als einlenken wollen. Für die kommenden Wochen und Monate wird es von entscheidender Bedeutung sein, welcher der verschiedenen Flügel sich in Teheran durchsetzt.“

Echo (RU) /

Ein einzelner Verräter könnte das Blatt wenden

Der Politologe Wladimir Pastuchow schreibt in einem von Echo übernommenen Telegram-Post:

„Wir alle sind davon abhängig, ob sich in der obersten Führung der Revolutionsgarden ein Verräter findet, der auf die Seite der 'Zivilverwaltung' (wo es, wie in jeder Despotie, genügend Kollaborateure gibt) wechselt und damit die Voraussetzungen für eine sanfte Kapitulation des Iran schafft. Wenn das geschieht, erweist sich Trump als großer Glückspilz – und wir mit ihm. Der Konflikt wird eine Art 'Halblösung' erfahren, und wir werden noch eine Weile in den uns vertrauten Paradigmen einer zerfallenden, aber auf ihre Weise liebenswerten (im Vergleich zu dem, was auf uns zukommt) Weltordnung leben können.“

El País (ES) /

Nicht einmal der Hauch eines Lichtblicks

Kommentator Lluís Bassets zeigt sich in El País resigniert:

„Fragile, vorübergehende und sogar widersprüchliche Waffenruhen statt eines allgemeinen Waffenstillstands und eines Friedens, den die Region verdient. ... Es grenzt an ein Wunder, wenn solche Waffenruhen aufrechterhalten werden. ... Wenn die Waffen zwischen Israel und der Hisbollah nicht wirklich schweigen, werden die Friedensgespräche zwischen Iranern und Amerikanern kaum weiterführen. ... Mit übereilten Verhandlungen sollen ungelöste Streitigkeiten beigelegt werden, die im Iran seit 1979 herrschen und im Libanon seit 1948. ... Trotz der falschen Siegeseuphorie, die Trump an den Tag legt, sieht niemand auch nur den Hauch einer Chance für eine friedliche und einvernehmliche Lösung solch heikler Streitigkeiten.“

Diário de Notícias (PT) /

Rüstungskontrolle kaum möglich

Trotz Sanktionen und Überwachung war dem Iran eine versteckte Aufrüstung gelungen, analysiert Diário de Notícias:

„Der Rauch, der über den Städten und Industriekomplexen des Irans schwebt, sollte eine der größten Illusionen der modernen Geopolitik zerstreuen: nämlich die, dass Wirtschaftssanktionen und die Überwachung durch die IAEO wirksam seien, um die militärischen Ambitionen Teherans einzudämmen. Die Realität beweist das Gegenteil. Während sich die Welt auf die technische Debatte über kleine Mengen angereicherten Urans und das Schicksal des Atomabkommens konzentrierte, vollzog das iranische Regime eine stille, aber tiefgreifende militärische Transformation, deren Ergebnisse inzwischen für alle sichtbar sind.“

Novinky.cz (CZ) /

Die Lage bleibt unsicher

Die Freude über die Öffnung der Straße von Hormus hielt nicht einmal 24 Stunden an, beklagt Novinky.cz:

„Der Optimismus am Morgen wich der harten Realität, als zwei Schiffe – ein Tanker und ein Containerschiff – gerammt wurden. ... Der einzige Vorteil: Der Ölpreis, der am Freitag nach der Ankündigung der Öffnung der Straße gefallen war, konnte nicht steigen, da am Wochenende kein Öl gehandelt wird. ... Eines sollten wir alle daraus lernen: Der Umgang mit dem Iran wird nicht einfach. Alles andere wäre naiv. Und selbst wenn es einfach wäre, ist es immer besser, positiv überrascht zu werden, als einer Situation gegenüberzustehen, auf die man nicht vorbereitet ist. Natürlich beantwortet das nicht die entscheidende Frage: Soll man jetzt tanken oder erst in einer Woche?“