Trump bei Xi: Was könnte das Treffen bewirken?

Ab Donnerstag will sich US-Präsident Donald Trump mit dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping treffen, um über politische und wirtschaftliche Kernfragen wie den Iran-Krieg, den Umgang mit Taiwan, den Welthandel und KI zu sprechen. Kommentatoren fragen sich, ob der zweitägige China-Besuch Chancen für Entspannung und Konfliktlösung bieten kann.

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La Stampa (IT) /

Höchstens kleine Zugeständnisse zu erwarten

Viel wird Trump nicht erreichen, prophezeit La Stampa:

„Während die erste Amtszeit von Trump den Beginn der Rivalität zwischen den Vereinigten Staaten und China markierte, hätte die zweite die Vorherrschaft der USA besiegeln sollen. Das Gegenteil ist der Fall, wie sich wahrscheinlich beim Gipfeltreffen zwischen Präsident Donald Trump und seinem Amtskollegen Xi Jinping in Peking zeigen wird. Trump hat zwei Kriege gegen China begonnen und verloren: den Handelskrieg und den Krieg im Nahen Osten. … Peking ist wahrscheinlich bereit, kleine Zugeständnisse zu machen: ... den Kauf von Soja, Gas oder Flugzeugen oder chinesische Investitionen in Amerika. Aber im Grunde wird Xi wenig oder gar nichts von dem gewähren, was Trump erwartet, angefangen bei chinesischem Druck auf den Iran.“

Naftemporiki (GR) /

Zur Zusammenarbeit fast gezwungen

Die beiden Supermächte sind aufeinander angewiesen, betont Naftemporiki:

„Die US-Industrie könnte ohne die chinesischen Seltenen Erden nicht funktionieren, deren Wert sich auf 1,2 Billionen Dollar beläuft, was vier Prozent des BIP der USA entspricht. Aber genauso gilt, dass die chinesische Wirtschaft ohne Exporte in die Vereinigten Staaten nicht überleben kann. Und das ist die Karte, die Trump in der Hand hält. Peking kann seine Produkte zwar in viele andere Teile der Welt verkaufen, doch ohne die Exporte in die USA müsste es alle seine Fünf-, Zehn- oder Fünfzehnjahrespläne überdenken und sich höchstwahrscheinlich auf eine Rezession vorbereiten. ... Auch wenn sie sich nicht mögen, müssen Trump und Xi zu einer Einigung kommen. Und das liegt im Interesse der ganzen Welt.“

Handelsblatt (DE) /

Washington hat sich hoffnungslos verzockt

Das Handelsblatt sieht Trump als Bittsteller nach Peking reisen:

„Nur China, gleichermaßen wichtigster Verbündeter und größter Ölabnehmer des Irans, wäre in der Lage, wirksamen Druck auf Teheran auszuüben, um die Straße von Hormus freizugeben. Sollte der große Vorsitzende sich dazu herablassen, wäre das ein enormer Reputationsgewinn für sein Land. ... Von der notwendigen Eindämmung Chinas redet der US-Präsident schon seit Längerem nicht mehr. Das allerdings ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass der große Dealmaker aus dem Weißen Haus ein kleines, aber nicht ganz unbedeutendes Detail übersehen hatte: China verfügt nämlich über ein Monopol bei Rohstoffen, die für die amerikanische Tech-Branche unverzichtbar sind: seltene Erden. Auch hier also hat sich Trump verzockt – hoffnungslos.“

Le Temps (CH) /

Chance für verantwortungsvolles Handeln

Das Treffen ist eine Gelegenheit, Vertrauen aufzubauen, urteilt Le Temps:

„Es ist notwendig, diese Beziehung durch bestimmte Schutzmechanismen zu stabilisieren, um eine Eskalation zu vermeiden, die die ganze Welt erschüttern könnte. Bislang ist das beiden Ländern ohne größere Zwischenfälle gelungen. Eine Lösung der Krise in der Straße von Hormus könnte ein Anlass sein, um insbesondere im Bereich der militärischen Kommunikation ein Mindestmaß an Vertrauen wiederherzustellen. ... Im Gegenzug für handelspolitische Zugeständnisse aus Washington könnte Peking Einfluss auf Teheran nehmen und Trump helfen, sich aus der selbst geschaffenen Sackgasse zu befreien. Das wäre eine Chance zu zeigen, dass die beiden Mächte trotz ihrer Rivalitäten auch verantwortungsvoll handeln können.“

Tages-Anzeiger (CH) /

Nur einer geht hier zielgerichtet vor

China hat eine Strategie – anders als die USA, beobachtet der Tages-Anzeiger:

„Verwirrung kann auch eine Waffe sein. Donald Trump hat sie aber in seiner China-Politik so ausgiebig eingesetzt, dass man sich fragen muss, ob die USA sich nicht selbst verwirrt haben. ... China dagegen weiss, wohin es will: Schlüsseltechnologien, eigene Lieferketten, weniger Abhängigkeit vom Westen. Washington wirkt in seiner China-Politik, als verwechsle es Bewegung mit Strategie. Wer aber nicht weiss, was er erreichen will, lässt sich am Ende leicht einen Erfolg verkaufen, der keiner ist. Unter diesen Voraussetzungen hat Xi Jinping das Treffen mit Trump in Peking womöglich bereits für sich entschieden, ehe es überhaupt begonnen hat.“

Libération (FR) /

Statt virtuellem Krieg braucht es Kooperation

Die Welt steht vor elementaren Problemen, die eine Zusammenarbeit der Großmächte notwendig machen, so Libération:

„Einerseits der Klimawandel und seine Folgen: Kriege um Wasser, zunehmende Migrationsströme und Pandemien. Andererseits die KI-Revolution. ... Beides ist potenziell katastrophal. Keine Macht kann sie allein bewältigen. ... Internationale Zusammenarbeit ist unerlässlich, um das Schlimmste zu verhindern. ... Doch Chinesen und Amerikaner führen ein technologisches Wettrüsten um die KI und den Weltraum – die ersten Gefechte eines virtuellen Krieges. ... Es ist schwer, sich eine Kooperation zwischen den unberechenbaren USA, die versuchen, eine schwindende Hegemonie zu bewahren, und einem China vorzustellen, das das 'Reich der Mitte' wiederherstellen will.“

Postimees (EE) /

Schleichende Verschiebung der Vormachtstellung

Während sich die USA außenpolitisch verzetteln, baut China seine Weltgeltung planmäßig auf, schreibt Postimees:

„China muss Amerika nicht direkt zerstören. Es reicht, wenn die USA ihre eigene Kraft zersplittern. Während Washington Tag für Tag auf Krisen reagiert, baut Peking geduldig die Infrastruktur des nächsten Jahrhunderts auf. Die Geschichte lehrt, dass Großmächte selten dann scheitern, wenn sie schwach sind, sondern dann, wenn sie nicht mehr zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem unterscheiden können. Die vielleicht wichtigste Frage der heutigen Welt könnte sein: Begreift Amerika noch, dass sein Hauptgegner nicht in Teheran sitzt, sondern in Peking?“

El País (ES) /

Die nächste Meerenge von schicksalhafter Bedeutung

Wirtschaftsexpertin Alicia García Herrero erklärt in El País die globale Dimension der Taiwanfrage:

„Die Taiwanstraße ist die Lebensader, durch die die wichtigste Ressource für die Künstliche Intelligenz fließt. ... Taiwan fertigt mehr als 90 Prozent der weltweit fortschrittlichsten Halbleiter – jene Chips, die KI-Rechenzentren, modernste Waffensysteme und die digitale Infrastruktur westlicher Demokratien antreiben. Eine Krise in der Straße von Taiwan hätte mit der Sperrung der Straße von Hormus vergleichbare Folgen – oder sogar noch gravierendere. ... Was Trump mit Xi Jinping aushandelt, wird nicht nur die Zukunft einer Insel mit 23 Millionen Einwohnern bestimmen, sondern auch das Machtgleichgewicht der kommenden Jahrzehnte.“

NRC (NL) /

Wehe, wenn Antidemokraten gemeinsame Sache machen

NRC hofft hingegen, dass der Gipfel keine Annäherung bringt:

„Je besser Trump und Xi sich verstehen, desto höher der Preis, den der Rest der Welt dafür zahlen muss. Und umgekehrt: Je weniger konkrete Vereinbarungen die beiden Machtblöcke treffen können, desto besser ist das für den Rest der Welt. Wenn die beiden Staatschefs der mächtigsten Länder die Grundprinzipien eines demokratischen Rechtsstaats nicht (mehr) anerkennen, ist es Aufgabe der übrigen Welt, genau daran festzuhalten. Zuverlässigkeit, Vorhersehbarkeit und Rechtssysteme, an die sich alle halten, haben die Welt in den vergangenen Jahrhunderten vorangebracht.“