Großbrand in Belgien: Was muss Europa tun?

Der größte Waldbrand in Belgien seit mehr als 100 Jahren hat im Naturschutzgebiet Hohes Venn nahe der deutschen Grenze eine Fläche von rund 30 Quadratkilometern zerstört und ist noch nicht vollständig unter Kontrolle. Rund 500 Menschen sind im Einsatz, um die Flammen einzudämmen. Zahlreiche Bewohner mussten das Gebiet verlassen. Kommentatoren debattieren, welche Konsequenzen europaweit gezogen werden sollten.

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Le Soir (BE) /

Kohärent bleiben und gemeinsam vorbeugen

Wie zuvor Spanien und Frankreich hat nun auch Belgien zur Bekämpfung der großen Waldbrände den europäischen Katastrophenschutzmechanismus aktiviert. Hoffentlich bleibt allen Beteiligten im Gedächtnis, wie wichtig Solidarität und Weitblick in diesem Bereich sind, mahnt Le Soir:

„Es steht zu befürchten, dass nicht nur ein Staats- oder Regierungschef bei den Haushaltsverhandlungen in den kommenden Monaten den Mechanismus stutzen will und dabei vergisst, selbst von der europäischen Solidarität profitiert zu haben. … Der Weitblick verlangt von den Mitgliedsstaaten, dass sie sich an den 'Rahmen für Klimaresilienz und Risikomanagement' anpassen. … Man kann nicht von der EU verlangen, die Brände zu löschen, und gleichzeitig die Maßnahmen abbauen, welche diesen vorbeugen können.“

Le Quotidien (LU) /

National und international planen

Le Quotidien denkt über bessen Schutz für Luxemburg nach:

„Eine integrierte Lösung, welche die Kräfte des Großherzoglichen Feuerwehr- und Rettungskorps CGDIS sowie Luxembourg Air Rescue vereint? Die Möglichkeit einer Verstärkung durch Polizei-Helikopter? ... Die Mithilfe der Landwirte wird ebenfalls wertvoll sein. Eine weitere Idee: Kann die luxemburgische Armee das von Airbus entwickelte experimentelle Löschkit erwerben, das dieses Jahr in der Gironde eingesetzt wurde? ... Und was wird das alles kosten? Man muss sich auch klarmachen, dass die staatlichen Institutionen das eigene Land zu schützen haben, aber auch einen Beitrag zu einer europäischen Einsatztruppe zur Bekämpfung von Waldbränden leisten müssen, auf die in Zukunft viel Arbeit zukommt.“

To Vima (GR) /

Resilienz in den Mittelpunkt stellen

Die Beraterin für Klima- und Meerespolitik und ehemalige Abgeordnete der sozialdemokratischen Pasok, Maria Damanaki, schreibt in To Vima:

„Resilienz stand schon immer auf der politischen Agenda, doch inzwischen rückt sie ins Zentrum der Aufmerksamkeit. ... Im Mittelpunkt der Resilienz steht ein wissenschaftlich fundierter Präventionsplan. Dazu gehört unter anderem der Einsatz von KI, um Wetterereignisse vorherzusagen, besonders gefährdete Gebiete zu identifizieren sowie Warn- und Reaktionssysteme zu entwickeln. Es bedeutet, Wälder aktiv zu bewirtschaften, anstatt sie sich selbst zu überlassen. Dazu gehören Brandschneisen, Hochwasserschutzbarrieren, die zugleich natürliche Ökosysteme nutzen, sowie Maßnahmen zur Beseitigung von Vegetation und leicht brennbarem Bewuchs.“

De Morgen (BE) /

Das Feuer wird bald vergessen sein

Auch der Großbrand im Hohen Veen wird wohl nicht zu ausreichenden Klimaschutzmaßnahmen führen, befürchtet Chefkommentator Bart Eeckhout in De Morgen:

„Vielleicht fällt endlich der Groschen. Vielleicht. Die Folge der Entscheidung [zur Klimapassung] ist jedoch, dass Klimaresilienz Geld kostet. Verzeihen Sie mir meine Skepsis, aber es würde mich nicht wundern, wenn bald wieder das alte Lied erklingt, dass Klimapolitik 'machbar und bezahlbar' bleiben muss und dass daher nichts unternommen werden darf. Sodass sogar der Brand unseres nationalen Kulturerbes im Hohen Venn bald wieder 'vergessen' sein wird, wenn die Tage kürzer und kühler werden und die Haushaltspläne aufgestellt werden.“

Tygodnik Powszechny (PL) /

In polnischen Wäldern geht Gewinnmaximierung vor

Tygodnik Powszechny kritisiert:

„Polens Wälder brennen ungewöhnlich oft – bei der Zahl der Brände belegen wir in Europa den dritten Platz, hinter Spanien und Portugal. ... Warum also dominieren in den polnischen Wäldern [leicht entzündliche] Nadelbäume? Weil man mit ihnen am meisten Geld verdient. Sie wachsen schnell und werden so gepflanzt, dass sie leicht gefällt, verarbeitet und verkauft werden können. Der Wald ähnelt daher eher einer Blumenkohlzucht als einem natürlichen Ökosystem. Und obwohl 80 Prozent der Waldfläche in Polen aus Staatswäldern bestehen, haben die Bürger weder Einfluss auf deren Gestaltung noch auf deren Nutzung. In ihrem Namen entscheiden Beamte, die es 'besser wissen', während man die Stimmen von Biologen und Ökologen seit Jahren ignoriert.“