Was haben US-Vermittler in Moskau und Kyjiw erreicht?
Die US-Gesandten Steve Witkoffund Jared Kushner haben Russlands Präsidenten Putin in Moskau und anschließend den ukrainischen Präsidenten Selenskyj in Kyjiw getroffen, um über eine Beendigung des Krieges zu sprechen. Wittkoff forderte im Anschluss von beiden Seiten Kompromisse. Selenskyj sagte, man habe über Sicherheits- und Wirtschaftsgarantien für die Ukraine gesprochen. Moskau nannte die Gespräche "äußerst ehrlich" und "konstruktiv".
Wenigstens ein funktionierender Gesprächskanal
Diese diplomatische Initiative muss ernst genommen werden, schreibt der Politologe Bernardo Ivo Cruz in Diário de Noticias:
„Die EU und die Verbündeten Kyjiws haben sich klar ausgedrückt: Nur die Ukraine wird über die Bedingungen für ein Kriegsende entscheiden. Das bedeutet, dass wir uns möglicherweise mit einer für die Ukrainer akzeptablen Einigung abfinden müssen, die für Russland konkrete Vorteile mit sich bringt. Ein unvollkommener Frieden, der weder die durch die Aggression verletzte Gerechtigkeit noch das Völkerrecht vollständig wiederherstellen würde. … Doch nach viereinhalb Jahren Krieg muss die bloße Rückkehr einer Diplomatie, die in der Lage ist, mit Moskau und Kyjiw zu sprechen, ernst genommen werden.“
Zu früh für Diplomatie
Erst wenn Russland verliert, kann die Diplomatie beginnen, hält Le Point dagegen:
„Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine diplomatische Lösung für diesen Krieg. Es gibt Kriege, die am Verhandlungstisch beendet werden. Aber es gibt auch andere, bei denen der Verhandlungstisch erst dann in Erscheinung tritt, wenn ein imperialistisches Regime begriffen hat, dass es verloren hat. So war es 1945 in Deutschland. Oder 1995 in Serbien. Genau das wird auch mit Russland geschehen: Die Diplomaten werden sich erst an die Arbeit machen, wenn die Realität des Schlachtfelds auf die eine oder andere Weise in den Kabinetten des Kremls angekommen ist. Bis dahin wird der Winter schrecklich sein und wir müssen der Ukraine helfen durchzuhalten.“
Ein kleiner, aber richtiger Schritt
Militärexperte Olexij Kopytko zeigt in einem von Echo übernommenen Telegram-Post Hoffnung:
„Ohne Zweifel wird der Weg zu konkreten Vereinbarungen über massiven Druck führen. Derzeit sieht das Bild so aus, dass die USA darauf aus sind, vorwiegend bzw. ausschließlich Druck auf die Ukraine auszuüben, da diese in hohem Maße von äußerer Unterstützung abhängig ist (in Bezug auf Russland könnte diese Rolle nur China übernehmen, doch Peking hat sich bislang nicht eingeschaltet). ... Diese Verhandlungsrunde wird nicht zu einer sofortigen Beendigung des Krieges führen. Dazu bräuchte es ein Wunder. ... Doch dies ist ein Schrittchen in die richtige Richtung. Ich bin überzeugt, dass bis zum Winter ernsthafte Versuche unternommen werden, echte Verhandlungen mit einem Waffenstillstand in Gang zu bringen.“
Putins letzter Anlauf mit Trump
Putins Hoffnungen in Trump wurden bisher enttäuscht, schreibt Gazeta Wyborcza:
„Putin und seine Leute hatten gehofft, dass er für sie die Arbeit erledigen würde, die sie an der Front selbst nicht bewältigen können, und die Ukrainer dazu zwingen würde, den Russen zu überlassen, was diese fordern, aber trotz schwerer Verluste nicht erobern können. ... Das war ihr Anliegen beim Gipfeltreffen im August 2025 in Anchorage. Es ist nicht gelungen. ... Trumps 'Haltbarkeitsdatum' läuft ab. Es sieht so aus, als würden seine Republikaner am 3. November [bei den Midterm-Wahlen] eine Niederlage einstecken, und ihm würden durch den ihm feindlich gesinnten Kongress die Hände gebunden sein. ... Wenn der Kreml also dank ihm noch etwas herausholen kann, dann jetzt.“
Aussichtslos ohne Zugeständnisse von Selenskyj
Publizist Fjodor Krascheninnikow sieht in einem von Echo übernommenen Telegram-Post den ukrainischen Präsidenten in einer Schlüsselrolle:
„Ich bin mit ganzem Herzen dafür, den Krieg so schnell wie möglich zu beenden, doch im September 2026 ist dies nur auf eine einzige Weise möglich – nämlich wenn Trumps Gesandte Selenskyj dazu überreden, Putins demütigende und ungerechte Bedingungen zu akzeptieren. Sollte dies für Selenskyj unmöglich sein, wird es außer Gesprächen nichts weiter geben. An diejenigen, die gerne voreilige Schlussfolgerungen über meine Haltung ziehen und fragen: 'Und was schlagen Sie vor?' Ich schlage nichts vor, ich sage lediglich, dass es weiter Krieg geben wird und keine anderen Optionen bestehen, sollte Selenskyj nicht zu Zugeständnissen bereit sein.“
Russland will den ukrainischen Staat abschaffen
Sämtliche Forderungen Russlands stellen die Existenz der Ukraine in Frage, deshalb sind ukrainische Zugeständnisse praktisch unmöglich, argumentiert Journalist Witali Portnykow auf TSN:
„Russland hat eine klare Ambition: die Beseitigung der ukrainischen Staatlichkeit und die Vertreibung eines Großteils der ukrainischen Bevölkerung aus den Gebieten, in denen sie lebt. ... Es wird keinen Kompromiss mit einem Volk suchen, dessen Staatlichkeit es beseitigen will. Deshalb gab es seit 2014 keine andere Chance als sich zu behaupten, gibt es 2026 keine und wird es auch in Zukunft keine geben. ... Es geht um nichts Geringeres als das Recht der Ukraine und der Ukrainer auf eine eigenständige Existenz.“