Zuckerberg vor dem US-Kongress

Zwei Tage lang wurde Mark Zuckerberg von Abgeordneten und Senatoren des US-Kongresses zum Datenskandal um Cambridge Analytica befragt. Konnte der Facebook-Gründer das Image seines Lebenswerks wiederherstellen?

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Blog Republica.ro (RO) /

Facebooks Aktien steigen und steigen

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kann auf lange Sicht vom Datenschutzskandal profitieren, prophezeit der IT-Spezialist und Lokalpolitiker Andrei Postolache im Blog republica.ro:

„Mark kann sich amüsieren. Wem würde es nicht gefallen, wenn sich die Hälfte des US-amerikanischen Senats um einen schart? ... Er muss nur aufpassen, dass er nicht irgendeine Dummheit sagt, dann werden die Anhörungen ihm helfen, sein Ansehen zu stärken. Es werden einige Probleme geklärt, einige Sorgen verschwinden, die Aktien steigen und er wird als Gewinner hervorgehen. ... Das Unternehmen wird eine Lücke im Datenschutz schließen, die die Firma seit langem hatte und nie anging, wie sie sollte. Jetzt, von ihrer Umgebung unter Druck gesetzt, tut sie das.“

Avvenire (IT) /

In China reibt man sich schon die Hände

Zuckerberg hat in der Anhörung davor gewarnt, allzu hart mit den US-Internetriesen ins Gericht zu gehen - schließlich schlafe die Konkurrenz in China nicht. Für Avvenire trifft er damit einen Punkt:

„Natürlich ist Zuckerbergs Mahnung eigennützig, doch er hat nicht ganz unrecht. In der digitalen Welt existieren nicht nur Facebook, Google, Amazon, Apple und Microsoft, sondern auch andere Kolosse. Und die sitzen alle in China. ... Zudem haben die chinesischen Digitalriesen in den letzten Jahren massiv Anteile amerikanischer Unternehmen aufgekauft, sowohl im Bereich der Videospiele als auch im E-Commerce. ... Die Herren der digitalen Welt sprechen also nicht nur amerikanisch. Ein Großteil folgt 'chinesischen Regeln'. ... Demokratie und profitable Geschäfte, hegemonische Gelüste und politische Kämpfe, Verteidigung der Meinungsfreiheit und Zensur in Einklang zu bringen, wird alles andere als einfach sein.“

The Economist (GB) /

Selbstkontrolle reicht nicht

Facebook sollte seine Praktiken von unabhängiger Seite umfangreich prüfen lassen, fordert The Economist:

„Eine interne Untersuchung zur Klärung der Frage, wie Apps Dritter die Daten von Facebook-Nutzern verwendet haben, reicht nicht, um das Vertrauen wieder herzustellen. Facebook sollte seine eigene Handlungsweise von einer betriebsfremden Firma umfangreich prüfen lassen. Das würde dazu beitragen, offene Fragen zu klären. Zum Beispiel, ob Cambridge Analytica vielleicht nur eines von vielen Unternehmen ist, die Nutzerdaten gestohlen haben. Die Einsetzung eines unabhängigen Aufsichtsratsvorsitzenden würde ebenfalls dazu beitragen, die Qualität der Debatte und der firmeninternen Untersuchung Facebooks zu verbessern.“

Der Standard (AT) /

Blamage für Politiker

Bei der Anhörung Mark Zuckerbergs im US-Kongress haben sich die Abgeordneten blamiert, urteilt Der Standard:

„So fragte der Senator Orrin Hatch allen Ernstes, wie sich Facebook finanziert. ... Der Senator John Kennedy forderte Maßnahmen, die Facebook längst gesetzt hatte. Die Fragen von Senatorin Maria Cantwell verwirrten Zuckerberg ebenso wie Journalisten und Zuseher. Senator Bill Nelson fragte, warum er Schokoladenwerbung erhalte. Insgesamt hinterließen die US-Volksvertreter den Eindruck einer technisch nicht besonders kompetenten Gruppe, während sich Mark Zuckerberg mit eintrainierten Phrasen und Entschuldigungsgesten aus der Verantwortung stehlen konnte. Das steht durchaus sinnbildhaft für das Verhältnis von Politik und Technologie - und zeigt, wie wichtig die Wahl von Abgeordneten ist, die sich intensiv mit technischen Neuerungen auseinandersetzen.“

La Repubblica (IT) /

Wie Kommunikation mit Außerirdischen

Zwischen der Wirklichkeit der Senatoren und der Facebook-Generation liegen Welten, beobachtet Vittorio Zucconi, Washington-Korrespondent von La Repubblica:

„Es gibt keinen Übersetzer, der die Verständigung zwischen einem 80-jährigen Senator ermöglicht, der gewählt wurde, als Zuckerberg noch nicht geboren war, und dem Wunderknaben, der wie von einem fernen Planeten zu sein scheint. … Das Drama, dem wir in den zwei sinnlosen Tagen der Show beiwohnten, ist die Wiederkehr dessen, was man vor circa 30 Jahren 'Generation Gap' nannte. Während Zuckerberg zu seinem fernen Planeten, dem Silicon Valley zurückkehrt, verkriechen sich die alten Erdlinge wieder in ihrer Höhle und versuchen, eine Welt zu entziffern, in der Algorithmus nicht für einen neuen Tanz steht.“

Milliyet (TR) /

Facebook ist nicht allein schuld

Die Anhörung Zuckerbergs hat wenig Gewicht, findet Milliyet:

„Nicht allein Facebook besitzt alle unsere Daten. Auch Google, Instagram und Twitter wissen alles über uns, selbst wenn es nur die Anzahl unserer Schritte sind, wie bei der App MyFitnessPal. In dieser Situation macht es keinen Sinn, Zuckerberg für das ganze Internet verantwortlich zu machen, nur weil seine Firma die größte ist [sic]. Stattdessen sollten Experten für das Thema zusammenkommen und an Maßnahmen arbeiten, die für den Schutz unserer Daten bei Facebook und anderen Apps sorgen und anschließend universelle Gesetzesentwürfe vorlegen, die diese verbindlich machen. Das ist das eigentlich Wichtige. Weder die Aussage Zuckerbergs vor dem Senat noch die Löschung der Facebook-App stellen eine Lösung dar.“

Jutarnji list (HR) /

Cash statt Privatsphäre

Facebook muss ein Bezahlmodell einführen, meint Jutarnji list:

„Facebook ist ein Business und ohne eine Form der Monetisierung würde es nicht existieren. Das heutige Geschäftsmodell von Facebook - und des Großteils des Internets - wurde über Jahre entwickelt und basiert auf der edlen und idealistischen Idee, dass alles im Internet für alle gratis sein muss. Mit der Zeit kam es jedoch zu den heutigen Verhältnissen. Und die ähneln einer Situation, in der Ihnen ein Vertreter unbedingt Töpfe andrehen möchte, weil er von jemandem gehört hat, dass Sie jeden Tag kochen. Deshalb müssen wir entscheiden - zahlen wir mit der eigenen Privatsphäre oder mit Cash?“