Straße von Hormus: Trump verlängert US-Ultimatum

US-Präsident Donald Trump hat sein dem Iran gestelltes Ultimatum zur Öffnung der Straße von Hormus am Montag um fünf Tage verlängert. Er begründete dies mit "konstruktiven Gesprächen", die mit der iranischen Führung im Gang seien. Teheran dementierte jedoch jegliche Kontakte mit Washington. Die Angriffe beider Kriegsparteien auf Ziele im Iran und in Israel gingen unterdessen in der Nacht auf Dienstag weiter.

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Arkadi Dubnow (RU) /

Hauptsache, das Gesicht bleibt gewahrt

Außenpolitikexperte Arkadi Dubnow sieht auf Facebook Trumps Verlängerung des Ultimatums als Einstieg in den Ausstieg aus dem Krieg:

„Letztendlich war er es, der als Erster seine Karten auf den Tisch legte. ... Trump hat in diesem Moment richtig kalkuliert: Die Juni-Öl-Futures fielen von 110 auf 91 Dollar pro Barrel. Und nun ist es seine Aufgabe, dieses Niveau zu halten. ... Gewonnen haben jedoch auch die Erben Chameneis: Sie werden die Kapitulation des großen Weltsatans verkünden, da dieser sein Ultimatum zurückgezogen hat. ... Das Wichtigste ist, dass beide Seiten einander halfen, das Gesicht zu wahren. Doch Trump ging noch weiter: Er sah das 'Gesicht' des Iran in neuem Licht und erklärte bereits in einem Interview mit CNBC, dass die Ereignisse im Iran als 'Regimewechsel' bezeichnet werden könnten.“

The Times (GB) /

Deeskalation ohne Erfolgsgarantie

Trump möchte den Konflikt offenbar entschärfen, doch der Iran wird ihm das nicht leicht machen, schreibt The Times:

„Eine Deeskalation dürfte sich als weniger einfach erweisen, als er vielleicht annimmt. Selbst wenn ihm das gelingt, wird die Frage bleiben, was durch den Beginn des Krieges eigentlich erreicht worden ist. ... Sollte Iran in fünf Tagen entscheidende Gespräche führen können, wird Teheran sehr hart verhandeln. ... Für das Regime wird es taktisch wichtig, die Straße von Hormus nicht zu öffnen, bis eine vollständige Einigung erzielt ist, politisch entscheidend, vor der heimischen Öffentlichkeit als Sieger zu erscheinen, und strategisch essentiell, glaubwürdige Zusicherungen gegen weitere Angriffe zu erhalten.“

Diário de Notícias (PT) /

Verunsicherung ist Teherans stärkste Waffe

Der Iran muss nicht unbedingt zum großen Schlag ausholen, um Wirkung zu erzielen, schreibt Diário de Notícias:

„Der Iran weiß, dass er einen konventionellen Krieg gegen die Vereinigten Staaten und die ihn umgebende regionale Koalition nicht gewinnen kann. Deshalb verfolgt er eine asymmetrische Strategie: die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Kosten jeder Konfrontation zu erhöhen. Die Bedrohung kritischer Infrastrukturen am Golf ist ein klassisches Beispiel für diese Logik der Abschreckung des Schwachen gegenüber dem Starken. Teheran muss nicht alle Kraftwerke oder Entsalzungsanlagen zerstören; es reicht aus, die Gegner davon zu überzeugen, dass es dazu in der Lage ist. Unsicherheit ist die beste Waffe und kann ausreichen.“

Igor Semywolos (UA) /

Teheran behält ein starkes Druckmittel

Nahostexperte Ihor Semywolos sieht auf Facebook eine möglicherweise geschickte Strategie des Iran:

„Der Iran könnte sich für die Strategie einer kontrollierten Drosselung der Straße von Hormus entscheiden, statt vollständige Schließung oder vollständige Öffnung zu wählen. Anzeichen dafür gibt es bereits: Iranische Tanker setzen ihre Fahrt nach China über alternative Routen fort und einzelne Schiffe erhalten selektiv Genehmigungen zur Durchfahrt. Das verschafft Teheran einen dauerhaften Hebel – ohne formelle Kapitulation und ohne vollständige Eskalation –, ein kontrolliertes Druckventil, mit dem jederzeit verhandelt werden kann. Gerade deshalb verliert jedes Ultimatum zur 'vollständigen Öffnung' von vornherein gegen die iranische Logik partieller Zugeständnisse.“

Adevărul (RO) /

Wähler werden teures Benzin nicht vergessen

Der Gründer des Zentrums für Technologieinnovationen Inventikus, Cătălin Buciumeanu, analysiert auf der Webseite von Adevărul:

„Wenn Trump eskaliert, läuft er aus politischer Sicht Gefahr, dass er Amerika in einen langen, teuren und toxischen Krieg geführt hat. Wenn er brüsk aufhört, riskiert er, dass er so wirkt, als habe er bereits den wirtschaftlichen Preis bezahlt, ohne ein strategisches Ergebnis erzielt zu haben. Und wenn er versucht, die Diskussion ausschließlich auf Identität, Kultur und Parteitreue zu verlagern, wird er eine elementare Wahrheit wiederentdecken: Der Wähler kann vieles verzeihen, aber selten verzeiht er den Preis für einen Liter Benzin.“

La Stampa (IT) /

Washington hat eine andere Logik

Die unterschiedlichen Interessen Israels und der USA beleuchtet La Stampa:

„Über Nacht verkündete Washington durch Finanzminister Scott Bessent, dass der Verkauf des derzeit auf See blockierten iranischen Öls (vorübergehend) erlaubt werde. ... Der Kontrast zu Israel, das am Vortag das riesige Gasfeld South Pars angegriffen hatte, könnte nicht größer sein. … Jerusalem versucht, so viel wie möglich von der Islamischen Republik zu zerstören: ihre militärischen Fähigkeiten, ihre Führung sowie ihre Energie- und Produktionsinfrastruktur. Washington hingegen verfolgt, so schwer fassbar seine letztendlichen Ziele auch sein mögen, die Logik eines militärischen Sieges ohne politische und/oder wirtschaftliche Risiken.“

taz, die tageszeitung (DE) /

Vor dem Showdown

Europa wird sich auf Dauer nicht heraushalten können, schreibt die taz:

„April könnte der Monat des Iran-Showdowns werden, eventuell zeitgleich zum erwarteten Frühjahrsaufschwung der Kämpfe in der Ukraine, wo Russland zwar Boden verliert, aber neue Offensiven vorbereitet – ermuntert durch die Ölgelder, die der Irankrieg in seine Kassen spült. 'Das ist nicht unser Krieg', wie es zum Irankrieg vergangene Woche noch aus Europa hieß, ist da keine adäquate Antwort mehr. Es gibt momentan kein europäisches 'Wir'. Trumps Irankrieg und davor seine Grönland-Ambitionen haben die Nato gespalten, die EU wird vom Trump- und Putin-Freund Viktor Orbán aus Ungarn lahmgelegt. Jede Regierung muss selbst überlegen, wo sie in diesem heraufziehenden Dritten Weltkrieg steht und was sie zu tun gedenkt. Auch in Berlin.“

El Periódico de Catalunya (ES) /

Auf Waffenstillstand drängen

Rafael Vilasanjuan schlägt in El Periódico de Catalunya einen Deal vor:

„Gefangen in Netanjahus Krieg, vertraut niemand Trump. Im Inland kommt die Kritik aus den eigenen Reihen und spaltet die Republikanische Partei, insbesondere ihren radikaleren Flügel. International hat ihn dieser Krieg isoliert. Verbündete verweigern ihm die Unterstützung, auch weil ihm niemand vertraut. Krieg ist für jedes Land eine sehr ernste Angelegenheit, und Präsident Trump gleicht eher einem unberechenbaren Kind mit Waffen als einem Anführer, dem man folgen sollte. Sein Ultimatum führt an den Rand des Abgrunds, doch es gibt noch eine Alternative. ... Ein Waffenstillstand im Austausch für die Öffnung der Meerenge hätte größere Erfolgsaussichten als sich auf Trumps Weg in die Hölle einzulassen.“