Klimawandel: Weltpolitik mit neuem Ehrgeiz?

Zum Tag der Erde am 22. April warten dieses Jahr mehrere weltpolitische Schwergewichte mit ambitionierten Ankündigungen auf. Bis 2030 will die EU beim CO2-Ausstoß nun 55 Prozent statt 40 Prozent gegenüber 1990 einsparen, und US-Präsident Biden hat 40 Staats- und Regierungschefs zu einem Klimagipfel eingeladen, um mit globalen Emissionszielen nachzulegen. Für Europas Presse braucht es aber noch mehr.

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Milliyet (TR) /

Es geht nur gemeinsam

Die Erklärung der USA und Chinas, zur Bekämpfung des Klimawandels zusammenarbeiten zu wollen, ist ein Meilenstein, jubelt Milliyet:

„Seit Joe Biden zum neuen Präsidenten der USA gewählt wurde, färbte sich nicht nur das Weiße Haus grün. China ist sofort auf den Zug mit aufgesprungen. ... Noch wichtiger ist, dass die beiden Länder nun zusammen agieren. Denn das, was die Länder allein zur Bekämpfung der Klimakrise tun können, ist sehr begrenzt. Dieser Kampf hat nur Sinn, wenn er global stattfindet. ... Kurz gesagt, ob Sie es glauben oder nicht: Die Dinge ändern sich radikal. Umweltpolitik beginnt die Welt zu dominieren.“

Irish Examiner (IE) /

Gefährlicher als die Pandemie

Der Kampf gegen den Klimawandel sollte genau so forsch wie der gegen Covid betrieben werden, findet Irish Examiner:

„Wenn wir unsere Reaktion auf die Pandemie als Mikrokosmos für eine Antwort auf den Klima-Kollaps betrachten, dann können wir eine Menge lernen. Wir haben schnell und entschieden reagiert, aber das Ausmaß des Klimawandels ist für uns nicht nachvollziehbar und so stecken wir hier immer noch in der Phase vor den Masken und dem Lockdown. Mehr als drei Millionen Menschen sind wegen Covid-19 gestorben, aber viele, viele Menschenleben mehr stehen wegen des Klima-Kollapses auf dem Spiel. Wir müssen auf diese Zahlen und die großen, aber ungleich verteilten Gefahren angemessen reagieren. Schließlich gibt es keinen Impfstoff gegen den Klimakollaps.“

De Standaard (BE) /

Mut zu konkreten Maßnahmen, bitte!

Schöne Worte und ferne Zielwerte sind nicht genug, murrt De Standaard:

„Wenn die Weltführer es ernst meinten mit dem Klimaschutz, könnten sie vereinbaren, sich gemeinsam für eine globale CO2-Steuer einzusetzen. Am besten verbunden mit einer CO2-Grenzsteuer für diejenigen, die nicht mitmachen wollen. ... Aber außer der EU will das keiner. Sowohl Xi Jinping als auch Bidens Klimapapst John Kerry sprachen sich dagegen aus. Dennoch: Wenn die großen Drei sich darauf einigen könnten, müsste der Rest der Welt folgen. Für so eine Absprache braucht man keinen zweitätigen Klimagipfel. Fünf Minuten politischer Mut reichen aus.“

Público (PT) /

Soziale Verträglichkeit nicht vergessen

Pedro Marques, EU-Abgeordneter der portugiesischen Sozialisten, mahnt in Público:

„Es ist wichtig zu erkennen, dass dieser Klimawandel anspruchsvolle Veränderungen mit sich bringt, die brutale Auswirkungen auf das Leben der Menschen haben werden. ... In Portugal beispielsweise können wir durch die Schließung des Wärmekraftwerks in Sines verstehen, worum es geht. Wenn dieser Übergang nicht fair ist, besteht das ernsthafte Risiko, dass er nicht stattfindet, wie dies in Frankreich mit den Gelbwesten der Fall ist. Deshalb müssen wir weniger wohlhabende Familien unterstützen, solide soziale Antworten in den betroffenen Gebieten schaffen und neue Investitionen und Arbeitsplätze fördern. Grüne Arbeitsplätze sollten die Regel sein.“

NRC Handelsblad (NL) /

Zurück zur alten Normalität

Die Niederlande untersuchen seit Februar in Feldversuchen, wie Menschenansammlungen trotz Pandemie ermöglicht werden können. Dass zu diesen "Fieldlab Events" auch Urlaubsreisen nach Rhodos und Gran Canaria gehören, stimmt Floor Rusman in ihrer Kolumne in NRC Handelsblad nicht gerade optimistisch:

„Die alte Normalität, als Urlaub selbstverständlich bedeutete, in die Sonne zu fliegen. Unterdessen werden die Niederlande selbst zum Sonnenland, denn die Erwärmung der Erde setzt sich fort. ... Der Staat hat die Chance verpasst, ein Statement zu setzen. Man hätte sagen können: Der erste Fieldlab-Urlaub geht mit einem Elektro-Bus in die Eifel, auch ein Super-Urlaubsziel! Nur: Der Staat will gar nicht, dass wir weniger fliegen. Sonst hätte er ja auch in etwas anderes investiert als in eine Fluggesellschaft.“