Was tun in der neuen Energiekrise?

Wegen des Iran-Kriegs sind die Öl- und Gasexporte aus der Golfregion drastisch eingebrochen – entsprechende Preissprünge auf dem Weltmarkt waren die Folge. Auch wenn der Iran nun die Straße von Hormus angeblich für Frachtschiffe aus "nichtfeindlichen Ländern" wieder freigegeben hat: Europas Medien diskutieren die mit der Versorgungskrise verbundenen Probleme und mögliche Maßnahmen.

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Gość Niedzielny (PL) /

Machtlos gegenüber dem Preisschub

Gość Niedzielny warnt davor, nun der eigenen Regierung die Schuld in die Schuhe zu schieben – sei es die aktuelle oder die vorherige:

„Die Inflation kehrt zurück. Dieselbe Inflation, die noch vor Kurzem ausschließlich mit 'schlechter Regierungsführung' begründet wurde. Deshalb sollte man heute klar sagen: Keine Regierung in Polen – weder die PiS noch die derzeitige Koalition – verfügt über magische Instrumentarien, um die weltweiten Energiepreise zu beeinflussen. ... Und vielleicht ist genau das die wichtigste Lektion. Politiker werden immer Versprechungen machen. Sie werden immer Dinge vereinfachen. Sie werden immer Schuldige benennen, am liebsten ihre Vorgänger. Aber die Rechnung werden trotzdem wir bezahlen. Nicht an der Wahlurne. Sondern an der Zapfsäule.“

Alfa (LT) /

Auch beim Dünger wird es knapp

Wegen des Iran-Krieges sind nicht nur Energieträger knapp, gibt Ökonomin Indrė Genytė-Pikčienė in Alfa zu bedenken:

„Stickstoffdünger werden aus Erdgas hergestellt, sodass Preisschwankungen die Produktionskosten direkt beeinflussen. Steigen die Preise, zahlen Landwirte mehr oder reduzieren den Einsatz – oft mit höheren Kosten oder geringeren Erträgen. ... Diese Krise ist auch deshalb besonders, da die Golfstaaten – Iran, Oman, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate – zentrale Akteure auf dem Düngemittelmarkt sind. Ihre Harnstoffexporte machen mehr als ein Drittel des weltweiten Seehandels [mit diesem Rohstoff] aus. Somit behindert die Blockade der Straße von Hormus nicht nur rund ein Fünftel der globalen Gasversorgung, sondern unmittelbar auch die Harnstoffversorgung.“

Süddeutsche Zeitung (DE) /

Tempo drosseln wie 1973

Die Süddeutsche Zeitung plädiert für ein Tempolimit auf Deutschlands Autobahnen:

„Davon geht die Welt nicht unter, man braucht für eine Strecke einfach nur ein bisschen länger. Ein Vorschlag zur Beruhigung der Gemüter: Man könnte die Geschwindigkeitsbeschränkung zunächst für die Dauer des Iran-Kriegs befristen. Die Bundesregierung könnte auch auf die Geschichte verweisen: Ein für sechs Monate gültiges Tempolimit auf Autobahnen von 100 (!) Stundenkilometern gab es in Deutschland nämlich schon einmal. Genauso wie eine Regelung, dass an manchen Tagen Autos mit geraden Nummern und an den anderen Tagen Autos mit ungerader Nummer in die Innenstädte fahren durften. Beides wurde in Reaktion auf den Ölpreisschock von 1973 beschlossen.“

Les Echos (FR) /

Paris sitzt finanziell auf dem Trockenen

Die Wirtschaftszeitung Les Echos kritisiert den rechtspopulistischen Rassemblement National für sein Drängen auf eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe:

„Sein Totschlagargument? Die Preisexplosion bereichert den Staat. Ist das falsch? Kurzfristig nicht. Langfristig schon, denn jegliche wirtschaftliche Erlahmung kommt ihn teuer zu stehen. Dass die Regierung sich in ihrer Argumentation verstrickt, liegt daran, dass sie die Wahrheit einfach nicht anerkennen will: Sie hat ihre Mittel verschleudert. Die Kassen sind leer und Besserung ist nicht in Sicht. Jedoch sei gesagt, dass die Franzosen und die politischen Verantwortungsträger für diese Lage mitverantwortlich sind. Wann hat der RN in den vergangenen Monaten Ausgabenkürzungen bewilligt? Im Gegenteil, er hat ständig aufs Gaspedal getreten.“