Corona: Wen zuerst impfen?

Je näher die Verfügbarkeit eines Impfstoffes rückt, desto hitziger wird die Diskussion über die richtige Impfstrategie. In vielen europäischen Ländern wollen die Behörden zuerst Risikogruppen impfen lassen. So haben zum Beispiel in Frankreich wohl zunächst die Bewohner von Pflegeheimen Priorität. Doch in den Kommentarspalten regt sich Widerspruch.

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Slate (FR) /

Die Jungen

Paris sollte bei der Impfstoffverteilung zukunftsorientiert denken, drängt Slate:

„Wie ist es zu rechtfertigen, dass man die jungen Menschen, die 'das Frankreich von morgen' sind, wie man so sagt, in die Qualen psychischen Leids stürzt, ohne sich weiter darum zu scheren? … Hier werden Menschen geopfert, aus mentaler, wirtschaftlicher und beruflicher Sicht. Und wem, denken Sie, wird die Verantwortung zukommen, Frankreich aus der wirtschaftlichen und sozialen Krise herauszuführen, die uns in den nächsten zehn Jahren als Folge der Maßnahmen zur Bekämpfung der Gesundheitskrise zusetzen wird? … Macron hat es gesagt: Zuerst müssen die Gefährdetsten geimpft werden. Aller Logik nach sind das die Studierenden. Sobald sie immunisiert sind, können sie in das Leben zurückkehren und sind nicht länger die Bedrohung, die die Regierung seit Beginn der Krise in ihnen zu sehen scheint.“

La Libre Belgique (BE) /

Die Systemrelevanten

Blogger Jean-Marc Goffart plädiert in La Libre Belgique dafür, die Wiederbelebung der Wirtschaft auch bei der Impfstrategie im Blick zu haben:

„Wäre es nicht effizienter, prioritär die Personen zu impfen, die für andere verantwortlich sind? Eltern, Lehrer, die sich wieder um ihre Schüler kümmern und ihren Unterricht abhalten könnten, Arbeiter, Hersteller, Händler und all jene, die die Gesellschaft braucht, um wieder normal zu funktionieren? Wobei das medizinische Personal selbstverständlich absoluten Vorrang haben sollte. … Löhne würden wieder ausgezahlt, Selbständige fänden zu ihrem Einkommen zurück. Sozialleistungen könnten wieder heruntergeschraubt werden. Ältere Menschen würden sich freuen, ihre Angehörigen wiederzusehen, die nicht mehr befürchten müssten, sie anzustecken.“