Vier Jahre Ukrainekrieg: Schrecken ohne Ende?

Vor vier Jahren, am 24. Februar 2022, marschierte Russlands Armee auf breiter Front in die Ukraine ein. Seitdem tobt dort der heftigste Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg – und ein Friedensschluss ist trotz laufender Verhandlungen nicht abzusehen. Die Medien machen sich Gedanken, was sich seither verändert hat und wie es weitergehen könnte.

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La Vanguardia (ES) /

Europa stemmt sich gegen Putin

Wir müssen mit der russischen Bedrohung leben, so das Fazit von La Vanguardia:

„Mitte 2026 wird der Konflikt länger gedauert haben als der Erste Weltkrieg, und die Positionen sind nach wie vor unvereinbar. ... In diesem Frühjahr wird die Zahl der Opfer (getötete, verwundete oder vermisste Soldaten) auf beiden Seiten auf zwei Millionen steigen. ... Vor diesem Hintergrund ist das Argument der Europäer zu hören, dass Putin nicht gewinnen darf, weil dies weitere russische Aggressionen ermöglichen würde. Europa fürchtet, dass der Druck auf Selenskyj zu einem Scheinende des Krieges führen könnte, nach dem Putin aufrüsten und erneut angreifen könnte. Dieser Konflikt hat Europa verwandelt: Es muss sich an ein neues Szenario anpassen und mit der russischen Bedrohung leben.“

Expresso (PT) /

Auch ein Frieden wird nicht einfach

Europa muss sich auf den Tag nach dem Krieg vorbereiten, schreibt Expresso:

„Im Jahr 2022 hätte niemand einen Krieg um die Eroberung von Territorium auf dem europäischen Kontinent für möglich gehalten. Und niemand hätte gedacht, dass ein Krieg vier Jahre dauern könnte, begleitet von enormer Abnutzung, Zerstörung und Tod. Vier Jahre später ist das Unvorstellbare ein alltägliches Bild. ... Der Frieden, ungerecht, unvollkommen und fragil, könnte dieses Jahr kommen. Paradoxerweise wird dieser Moment für die EU noch schwieriger sein als der Krieg. Denn während ein Krieg fast immer vorübergehend ist, erwartet man vom Frieden, dass er ewig währt. Situative Entscheidungen, Anstrengungen und Beiträge werden dauerhaft.“

Nikolai Mitrochin (RU) /

Auf Kampfroboter vorbereiten

Politologe Nikolai Mitrochin skizziert auf Facebook den aktuellen Stand und wagt einen Blick in die Zukunft:

„Die Ukraine hält sich gut an der Front, aber die Funktionsfähigkeit ihres Energiesystems hängt am seidenen Faden, was erhebliche Auswirkungen haben könnte. Russland verfügt derzeit weder über ausreichende Truppen noch über neue Technologien für entschlossene und erfolgreiche Offensiven, aber es kann unter Einsatz von zehntausenden Menschenleben die ukrainische Verteidigung an einigen schmalen Abschnitten durchbrechen und mit einem Tempo von etwa drei Kilometern pro Monat vorrücken. Was passieren wird, wenn China Kompanien humanoider Kampfroboter liefert, wissen wir noch nicht, aber man sollte darauf vorbereitet sein, dass dies ziemlich bald geschehen könnte.“

Salzburger Nachrichten (AT) /

So viele Heldinnen neben den Helden

Auf die Ukrainerinnen blicken die Salzburger Nachrichten:

„Das Bild vom Krieg ist längst nicht mehr männlich. Frauen sind in allen militärischen Bereichen vertreten. Sie kämpfen in Schützengräben nahe der Frontlinie, steuern Drohnen, behandeln Schwerverletzte. ... Wie ihre männlichen Kameraden riskieren sie Tag für Tag ihr Leben für ihr Land. Doch es existiert auch eine unsichtbare Front. Viele Ukrainerinnen sorgen dafür, dass abseits des Kampfgeschehens das Leben und der Alltag weiterlaufen. ... Neben der Erwerbsarbeit sind viele von ihnen alleinerziehend. ... Wenn dieser Krieg vorbei ist, werden Heldengeschichten erzählt werden. Man kann nur eines hoffen: dass die Heldinnen dabei nicht vergessen werden.“