Papst-Besuch in Metz: Leo XIV. ermutigt Europa

Zum Abschluss seiner Frankreich-Reise hat Papst Leo XIV. in Metz die Bedeutung Europas und seiner grundlegenden Werte für die "Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen" betont. Er rief zu Dialog, "Mut bei Verhandlungen" und Multilateralismus auf. Sein Besuch sollte auch einen der EU-Gründungsväter, Robert Schuman, würdigen, der lange in Metz wirkte. Kommentatoren beleuchten Hintergründe dieser Wertschätzung.

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El País (ES) /

Bedeutende Rede an bedeutendem Ort

Dieser Papst ist ein Europa-Fan, meint El País:

„Robert Prevost hielt die bedeutendste Rede seines Frankreichbesuchs an einem Ort mit hoher europäischer Symbolkraft, einer Region, wo sich die Europäer jahrhundertelang gegenseitig bekämpften und nach 1945 den Grundstein für die EU legten. ... In Metz wandte sich Prevost gegen die extremistische Sichtweise, die gegen den Integrationsprozess ist, migrantenfeindliche Botschaften verbreitet, einen übersteigerten Nationalismus wiederbelebt und sich dabei christliche Werte aneignet, um ein angeblich vom Untergang bedrohtes Europa zu verteidigen. Diese Ideologie sei eine Pervertierung des Christentums, wie Prevost mit dem Verweis auf [Robert] Schuman zeigte, dessen christliche Prägung ihn im 'Wert der Gleichheit ohne Blick auf Rasse oder soziale Schicht' erzogen hatte.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung (DE) /

Im besten Sinne amerikanisch

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung sieht in der Geschichte des Papsttums eine gewisse Ironie walten:

„Es musste offenbar erst ein Bürger der Vereinigten Staaten Oberhaupt der katholischen Kirche werden, um Europa zu rehabilitieren. Der Besuch des Papstes in Metz, um einen der Gründerväter der heutigen EU zu würdigen, ja seine Frankreich-Reise insgesamt waren ein Bekenntnis zu Europa, wie es seinem Vorgänger Franziskus nicht über die Lippen gekommen wäre. ... Aus seinen Worten klangen vielmehr Zuversicht und Wertschätzung. ... Leo gibt sich pragmatisch, im besten Sinne amerikanisch, wenn er zu einer 'kreativen Wiederentdeckung' der europäischen Werte aufruft. Die entscheidende Frage, wie denn eine solche Wiederentdeckung vonstattengehen könnte, ließ indes auch Leo offen.“

La Stampa (IT) /

Die Vision des Pontifex

Es geht um die Menschenwürde, erörtert La Stampa:

„Der sanftmütige Papst, dem zu Beginn seines Pontifikats im Vergleich zu seinem Vorgänger Franziskus weniger Einfühlungsvermögen nachgesagt wurde, erobert die Wiege der 'Laïcité'. In der säkularisierten Hauptstadt einer Nation, die lange Zeit als für die katholische Sache verloren galt, widerlegt Robert Prevost die Klischees und wird von einer Menschenmenge wie ein Star empfangen. ... Der Papst stellt die Trennung zwischen dem religiösen Bereich und den staatlichen Institutionen nicht in Frage, sondern verweist auf das, was er als 'gerechte Laizität' bezeichnet. ... Eine Vision, die in der Tradition der Soziallehre verankert ist: ... Keine Freiheit, keine soziale Sicherheit und kein Fortschritt können als authentisch bezeichnet werden, wenn sie nicht den unantastbaren Wert des Menschen anerkennen.“

Tygodnik Powszechny (PL) /

Eine Überraschung für alle

Mit dieser Anziehungskraft des Papstbesuchs hat in Frankreich niemand gerechnet, schreibt Tygodnik Powszechny:

„Der französische Katholizismus ist nach wie vor die größte Religion des Landes (12 Prozent der Bevölkerung sind praktizierende Katholiken), doch seit einem halben Jahrhundert nimmt sein Einfluss ab. Die Kirche verliert ihre Vormachtstellung gegenüber dem dynamisch wachsenden Islam. Religion ist in Frankreich Privatsache, und die Trennung von Kirche und Staat wird streng gehandhabt. Deshalb waren die Menschenmassen, die den Papst empfingen, eine Überraschung für alle.“

Corriere del Ticino (CH) /

Unmissverständliche Botschaft

Die Botschaft des Papstes ist eine weltliche, hebt Corriere del Ticino hervor:

„Robert Prevost betrachtet und interpretiert die Ereignisse und die historische Realität nach dem Modell der zwei Städte: der Stadt Gottes, die ewig ist, und der irdischen Stadt. ... Die Kirche unter Leo XIV. lebt in der irdischen Stadt, handelt jedoch nach den Regeln der Stadt Gottes: Sie schlägt kein politisches Programm vor, sondern bietet Überlegungen zu grundlegenden Fragen, die die Menschheit betreffen. Die viertägige Apostolische Reise nach Frankreich hat diesen Ansatz bestätigt. ... Der Papst mischt sich nicht in die politische Debatte ein, lässt keinen Raum für eine mögliche Instrumentalisierung. Aber er verzichtet nicht auf seine Botschaft, die starke Züge aufweist. Und manchmal auch unmissverständliche.“

La Tribune (FR) /

Vorbild für Politiker

Der Besuch des Pontifex war eine Wohltat für Frankreich, freut sich La Tribune:

„Die auf den Champs-Élysées vereinte Menschenmenge veranschaulicht Wirkung und emotionale Kraft dieses Papstbesuchs. Dass ein Papst, der sich für Frieden, Flüchtlinge und die Vergessenen des Kapitalismus einsetzt, Hoffnung weckt, ist ein Grund zur Freude. Er präsentiert sich in einer Zeit, in der Tech-Zauberlehrlinge und Kriegstreiber das bedrohen, was die Würde und Größe der Menschheit ausmacht. Leo XIV. wird es vielleicht nicht gelingen, die fortschreitende Säkularisierung in Frankreich zu bremsen, doch hat er dazu beigetragen, unser Land menschlicher zu machen. ... Wenn die Präsidentschaftskandidaten sich für diesen Aspekt der päpstlichen Botschaft empfänglich zeigen, war Leos Reise nicht nutzlos.“

The Irish Times (IE) /

Der Pontifex trifft den richtigen Ton

Mit seiner Botschaft von Frieden, Diplomatie und gesellschaftlicher Teilhabe stößt der Papst auch im säkularen Frankreich auf große Resonanz, lobt The Irish Times:

„Nur wenige Tage nach der UN-Generalversammlung griff er wichtige Themen der dortigen Debatten wieder auf: Er bekräftigte das Bekenntnis zum Multilateralismus sowie zur Friedensstiftung durch Diplomatie und betonte erneut die seit langem bestehende Ablehnung von Atomwaffen durch den Vatikan. ... Trotz des säkularen Ethos und des Aufstiegs der französischen Rechtsextremen fand die Botschaft des Papstes von Frieden und Inklusion sowie seine Verknüpfung der kirchlichen Lehre mit aktuellen Ereignissen und Themen – darunter auch KI – bei einem großen Teil der französischen Öffentlichkeit eindeutig großen Anklang.“

Rzeczpospolita (PL) /

Bewusster Gang auf Schumans Spuren

Papst Leo XIV. setzt ein Zeichen für europäische Integration, schreibt Rzeczpospolita:

„In Metz wird er seine Pilgerreise durch Frankreich beenden. Robert Schuman ist mit dieser Stadt verbunden, der Außenminister, der am 9. Mai 1950 seinen Plan zum Aufbau der europäischen Gemeinschaft vorstellte. Dieses Datum gilt als Beginn der europäischen Integration. Der Papst möchte dort die Bedeutung der EU hervorheben und dem populistischen Nationalismus entgegentreten. Glaubt man den Umfragen, könnte die Kandidatin der extremen Rechten, Marine Le Pen, in sieben Monaten das Rennen um den Élysée-Palast gewinnen. ... Die Kirche hat den Seligsprechungsprozess für Schuman eingeleitet, der bei Metz lebte und dessen Asche in der nahegelegenen Wehrkirche Saint-Quentin ruht.“

La Stampa (IT) /

Leo scheut das Thema Missbrauch nicht

Dieser Papst nimmt den Kampf gegen den Missbrauch ernst, lobt La Stampa:

„Auf den ersten Blick verlief das Treffen zwischen Leo XIV. und den Opfern von Missbrauch durch Geistliche – in diesem Fall sieben Personen – diskret, gemäß dem Protokoll. Was jedoch einen nicht unerheblichen Unterschied ausmacht, ist, dass es sich hier um Frankreich handelt, das Land, in dem auf Initiative der katholischen Kirche selbst die umfassendste unabhängige Untersuchung durchgeführt wurde, die jemals zum Thema Missbrauch stattgefunden hat und die 2021 veröffentlicht wurde.... Ein Beispiel, das von der italienischen Kirche nicht aufgegriffen wurde. Was auch durch die seinerzeitige Entscheidung von Papst Franziskus begünstigt wurde, die Autoren der französischen Untersuchung trotz ihrer ausdrücklichen Bitte nicht in Audienz zu empfangen.“