Der schwedische Weg - Vorbild oder Sackgasse?

Schweden geht bei der Bekämpfung der Pandemie einen Sonderweg: Nach dem "Verwaltungsmodell" stützt sich die Regierung direkt auf die Expertise starker Behörden. Und diese empfahlen bislang Gelassenheit. Grenzen und Grundschulen bleiben offen, Ausgangsbeschränkungen gibt es nicht, getestet werden nur Schwerkranke. Doch angesichts markant gestiegener Fallzahlen mehren sich kritische Stimmen.

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Expressen (SE) /

Trügerisches Bild vom gallischen Dorf

Expressen warnt vor nationalem Hochmut:

Flüchtlingskrise, Terroranschläge, Bandenkriminalität - das schwedische Selbstwertgefühl hat in den letzten Jahren gelitten. Die Corona-Krise gibt nun altbekannter Selbstgerechtigkeit wieder Aufschwung. ... [Man ist stolz auf] eigenständige Behörden mit einer Armlänge Abstand zu übereifrigen Ministern. Nach diesem Narrativ trifft die Corona-Krise auf der ganzen industrialisierten Welt auf populistische Führer, die Grenzen und Schulen nur schließen, um Handlungskraft zu demonstrieren. Auf der ganzen? Nein! Ein kleines Land trotzt erfolgreich dem Populismus. ... Gewiss: Modelle, wonach sich Minister in Details einmischen können, haben Nachteile - in Israel und Ungarn sind die Gefahren eines Ausnahmezustands derzeit deutlich zu sehen. Aber: In einer Krisensituation ist es auch offenkundig von Vorteil, wenn die führenden Politiker Klartext reden.“

Upsala Nya Tidning (SE) /

Experten können Politiker nicht ersetzen

Upsala Nya Tidning erkennt in der Vorgehensweise des Landes demokratische Defizite:

„Wir müssen den Experten vertrauen, hieß es zuletzt immer wieder. Ständig betonen unsere Minister, dass die Regierung dem Rat der Behörden folge. Die Empfehlungen des Instituts für Volksgesundheit haben Gewicht. So weit, so gut, aber die politische Verantwortung muss dennoch bei den Volksvertretern liegen. ... Natürlich spielen die Experten eine wichtige Rolle in der Corona-Krise. Aber die ethischen, sozialen und ökonomische Erwägungen müssen der Politik obliegen. Diese Verantwortung kann nicht delegiert werden. Unsere Volksvertreter haben wir nicht umsonst.“