Kommt die EU der Mauern?

Zwölf EU-Staaten fordern mehr "physische Barrieren" an den Außengrenzen der Union. Sie nehmen dabei Bezug auf die Situation an der Grenze zu Belarus. Die seit Jahren laufende Debatte um den Umgang mit Migranten hat aber auch durch Vorwürfe illegaler Pushbacks gegenüber Zagreb und Athen wieder Fahrt aufgenommen. Die Unterzeichner des Briefs gehören nicht zu den Ländern, in denen eine Vielzahl von Asylanträgen gestellt wird - und nicht nur das sorgt für Kopfschütteln bei den Kommentatoren.

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La Stampa (IT) /

Vom Gefängniskomplex zum Festungskomplex

So manch ein Staat leidet unter einem kurzen Gedächtnis, wettert La Stampa:

„Die Migranten finden immer neue Wege. Dadurch wird der konditionierte Mauerreflex ausgelöst. Dabei ist es noch nicht einmal ein Vierteljahrhundert [sic] her, dass die Mauer niedergerissen wurde, die Deutschland auf barbarische Weise zertrennte und Europa in zwei Hälften teilte, der Eiserne Vorhang. Das Gedächtnis ist sehr kurz: Jetzt wollen gerade die Länder, die hinter ihr gefangen gehalten wurden, hinter einer neuen Mauer sein. Vom Gefängniskomplex zum Festungskomplex.“

Delfi (LT) /

Litauen schneidet sich ins eigene Fleisch

Litauens Regierung, die den Brief ebenfalls unterzeichnete, hat nicht verstanden, dass die Gemeinschaft der EU nicht nur aus Nehmen, sondern auch aus Geben besteht, schimpft der Politologe Kęstutis Girnius in Delfi:

„Es sollte doch unangenehm sein, um Hilfe zu bitten, wenn man selbst nicht bereit ist, Hilfe zu leisten. Die Frage ist, wieso Länder wie Spanien, Italien oder Griechenland für Litauen günstige Veränderungen und Ausgaben unterstützen sollten, wenn Litauen sonst den Problemen der anderen gegenüber gleichgültig ist. Vielleicht werden sie sowohl großzügig als auch pragmatisch Litauens Anfragen befürworten, aber sie werden die Gleichgültigkeit Litauens wohl nicht vergessen und auch nicht glauben, dass Litauen immer die Wertepolitik in den Vordergrund stellt.“

The Press Project (GR) /

Krimineller Grenzschutz

Für The Press Project befindet sich die EU in einer absurden Situation:

„EU-Kommissarin Johansson prangert Griechenland öffentlich an, weil es sich weigert, die Erkenntnisse aus der Recherche von zehn europäischen Medien zu prüfen. Wir sprechen natürlich über die gleiche EU, die mit Millionen Euro die Zäune und die neuen geschlossenen Lager-Gefängnisse finanziert. ... Der angeprangerte Modus Operandi ist kein 'Grenzschutz' [wie es die griechische Regierung nennt]. Er ähnelt 'kriminellen Handlungen', wie die zehn Medien unter Berufung auf einen Beamten schrieben.“