Corona und die Kluft zwischen Alt und Jung

Das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, ist für Ältere weitaus höher. Fotos von jungen Menschen, die trotz Pandemie Picknick im Park machen, sorgen deshalb für Entrüstung. Einige Beobachter sehen nun durch Corona einen neuen Generationenkonflikt entfacht. Doch geht er wirklich zu Lasten der Älteren? Und wäre die Krise nicht die Zeit, um ihn zu überwinden?

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De Standaard (BE) /

Aufeinander hören, voneinander lernen

Zusätzlich zur Klimakrise verschärft die Coronakrise die Kluft zwischen Jung und Alt, warnt die 24-jährige Journalistin Charlotte Wollaert in De Standaard:

„Viele Millennials dachten zu lange, dass das Coronavirus ihnen nicht schadet. Und viele Boomer sagen, dass der Klimawandel keine Folgen für sie haben wird – weshalb sie ihr Verhalten nicht ändern. ... Aber Millenials wie Boomer liegen falsch. Beide Krisen treffen uns alle, ob nun gesundheitlich oder finanziell. Und beiden Krisen können wir nur die Stirn bieten, indem wir zusammenarbeiten. ... Können wir nicht versuchen, die mentale Kluft zu verkleinern? In Krisenzeiten ist es wichtiger denn je, aufeinander zu hören, voneinander zu lernen und einander zu respektieren, auch wenn wir einander nicht immer verstehen.“

Népszava (HU) /

Die Krise schweißt zusammen

Gábor Miklós, Journalist bei Népszava, gehört zur Boomer-Generation und zeigt sich sichtlich bewegt von der Hilfsbereitschaft, die ihm in diesen Tagen entgegengebracht wird:

„Vielleicht irre ich, aber ich habe den Eindruck, dass auf mich aufgepasst wird. Sogar unbekannte Menschen kümmern sich um mich. Ich bin von Natur aus misstrauisch. Doch ich vertraue den Menschen, dass ihre Aufmerksamkeit nicht vorgetäuscht ist, sondern ernst gemeint. ... Vielleicht formt die Pandemie die jungen und alten Menschen, die gleichzeitig hier leben, zu einer 'Generation' – und dies sogar auf der ganzen Welt?. ... Zum ersten Mal, seit Ungarn diese Regierung hat, will die Regierungspropaganda nicht nur verbieten, unterweisen, Hass schüren, stigmatisieren und Angst machen, sondern ruft auch zu Aufmerksamkeit und Fürsorge auf. Wer weiß, vielleicht bleibt von dieser Haltung auch später etwas übrig.“

nv.ua (UA) /

Moral wie im Mittelalter

Olga Guzal, Chefin der Firma Camion Oil, ist in NV entsetzt, dass viele Menschen in der Diskussion über die Folgen der Corona-Pandemie immer noch abwiegeln:

„Wer werden wir sein, wenn das alles vorbei ist? … Heute kommt uns Vieles leicht über die Lippen. Die Sterblichkeit sei gering, sie liege ja nur bei zwei Prozent. ... Wir ärgern uns über zu drastische Maßnahmen. ... Vor drei Monaten haben wir noch die Ernährungstipps von Japanern verschickt, die bis zu 112 Jahre alt geworden sind. ... Und jetzt sagen wir, wenn auch leise, dass es doch kein großes Problem gebe. Denn all das betreffe ja nur die Alten und die Kranken. Habt Ihr wirklich zugehört? Wir leben mit einer Wirtschaft aus dem 21. Jahrhundert, mit einer Wissenschaft aus dem 22. Jahrhundert und mit einem Moralverständnis aus dem 16. Jahrhundert.“

Dagens Industri (SE) /

Den Jungen wird die Zukunft verbaut

Die Coronakrise wird auf dem Rücken der jungen Generation ausgetragen, warnt Dagens Industri:

„Ein übermäßiger Teil der Arbeit zur Seuchenbekämpfung wird zurzeit von den Jungen getragen, während es mehrere Beispiele dafür gibt, dass Personen über 70 den Rat zur Isolation in den Wind schlagen. Die Lösung kann nicht sein, dass Risikogruppen nicht bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, während die Zukunft der Jugend durch die Fahrt in eine wirtschaftliche Depression verbaut wird. Was für eine Zukunft wird denn im Frühsommer 2020 und in den nächsten Jahren besungen werden – gibt es da dann Jobs? Gibt es Zuversicht? Die Politiker müssen es sich zur Hauptaufgabe machen, dass auf die junge Generation nicht Massenarbeitslosigkeit und ein verlorener Sozialstaat warten. Nicht nur die ältere Generation ist bedroht.“