Wie Europa auf die Hitzewelle reagieren muss

Große Teile Europas leiden unter der zweiten schweren Hitzewelle des Jahres. Großbritannien verzeichnet die höchste Juni-Temperatur seit Beginn der Aufzeichnungen. Frankreich meldet mehrere Hitzerekorde in Folge – mit 40,9 Grad in Paris – und auch in Teilen Spaniens und Deutschlands liegen die Temperaturen deutlich über 40 Grad mit wenig Abkühlung über Nacht. Wie kann man das aushalten – und vermeiden?

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El País (ES) /

Kurz- und langfristig handeln

El País fordert:

„Langfristig ist der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen unerlässlich. ... Regierungen müssen dem Druck der Ölindustrie und der Golfmonarchien widerstehen, deren offenkundige wirtschaftliche Interessen den Klimaschutz missachten. ... Künstliche Intelligenz verbraucht so viel Energie und Wasser, dass sie gegen den Strom der Geschichte schwimmt. ... Regierungen und Verbraucher müssen diese Großkonzerne zum Umstieg auf saubere Energie drängen. ... Kurzfristig müssen Regierungen die Auswirkungen der globalen Erwärmung abmildern, die selbst bei einem sofortigen Stopp der CO2-Emissionen noch Jahrzehnte weiter steigen wird.“

Kurier (AT) /

Noch größeres Leid in Asien und Afrika

Österreich erwartet die große Hitze am Wochenende. Der Kurier verweist darauf, dass andere Weltregionen viel stärker betroffen sind:

„Uns muss leider auch bewusst werden, dass das, was Österreich gerade erlebt, im globalen Maßstab nur Mittelmaß ist. In Teilen Pakistans und Indiens, oder in Westafrika werden Temperaturen samt hoher Luftfeuchtigkeit prognostiziert, bei denen der menschliche Körper sich selbst durch Schwitzen nicht mehr kühlen kann – die lebensbedrohliche Wet-Bulb-Grenze. Was noch die Ausnahme ist, wird bis Mitte des Jahrhunderts für Hunderte Millionen zum Alltag. Vielleicht steigt auch bei uns langsam das Mitgefühl für die Ärmsten der Erde, die die Klimakrise nicht verursacht haben, aber am heftigsten darunter leiden.“

De Standaard (BE) /

Wir brauchen beides: Klimaanlagen und Bäume

Städte müssen besser eingerichtet werden für die Folgen des Klimawandels, fordert De Standaard:

„Leider ist das Entweder-Oder meist der Treibstoff der öffentlichen Debatte. Der Scheinkontrast, mit dem in diesen Tagen extremer Hitze die Polarisierung verschärft wird, ist der zwischen Bäumen und Klimaanlagen. In Frankreich tobt die Diskussion auf Hochtouren. Die radikale Rechte will das ganze Land mit Klimaanlagen ausstatten, die radikale Linke will mit Erde, Holz und Stroh bauen. … Wir brauchen natürlich sowohl viel mehr Bäume als auch mehr Kühlung, um Häuser, Schulen und Seniorenheime bewohnbar zu halten.“

Mediapart (FR) /

Sind Profite wichtiger als Überleben?

Europas Eliten pfeifen auf Klimaschutz, prangert Mediapart an:

„Die Priorität unserer Produktionsweise ist nicht der Kampf gegen das Umweltchaos und nicht einmal der gegen dessen Auswirkungen. ... Um sich davon zu überzeugen, genügt es, sich daran zu erinnern, dass im selben Moment, in dem sich Europa in einen unerträglichen Schwitzkasten verwandelt, die Priorität auf der Entwicklung von KI liegt, diesem ökologischen Ungeheuer. Die Technologie-Lobby hat vor einer Woche von der EU gefordert, dass diese ihre Klimaziele abschwächt, um die Entwicklung von KI zu priorisieren. Seit Monaten bauen westliche Regierungen die bereits eingeführten schwachen Umweltschutzregeln zurück, um Profite zu fördern. Die strukturelle Krise des Kapitalismus verdrängt die Umweltkatastrophe in den Hintergrund.“

Ta Nea (GR) /

Prävention nicht vergessen

Noch bevor die Hitzewelle auch in Griechenland ankommt, reflektiert Ta Nea:

„Wer erinnert sich noch an die schätzungsweise 2.800 Menschen, die 2022 in Griechenland an den Folgen der Hitze starben, wodurch unser Land in Bezug auf die Sterblichkeitsrate pro Einwohner europaweit den zweiten Platz hinter Italien einnahm? Die Meteorologen werden uns natürlich rechtzeitig warnen. Die Regierung wird eine Einschränkung der Mobilität empfehlen, die Kommunen werden ihre klimatisierten Räume den Bedürftigen öffnen, Kulturveranstaltungen werden notfalls abgesagt. Wir sind zweifellos besser vorbereitet als früher, was den Umgang mit solchen Extremsituationen angeht. Aber lenkt die Konzentration auf das Krisenmanagement nicht von der Notwendigkeit der Prävention ab?“

The Daily Telegraph (GB) /

Hysterie nervt

Die allgegenwärtigen Warnungen vor Hitze sind übertrieben, findet The Daily Telegraph:

„Es ist alles andere als gesund, jedes Mal in Hysterie zu verfallen, sobald das Thermometer die 30-Grad-Marke überschreitet. Die Gesundheitshinweise reichen von bevormundend – etwa die Durchsagen in der U-Bahn, die Fahrgäste auffordern eine Flasche Wasser dabei zu haben – bis hin zum Absurden. Als ob ein gesunder Erwachsener schon bei ein wenig Sonneneinstrahlung tot umfallen würde. Wenn Hitzewellen auftreten, erscheint es kaum tragbar, dass Schulen schließen und kein Zug mehr fährt, als könnten wir uns eine Neuauflage der Corona-Lockdowns leisten. … Stattdessen sollten wir Vernunft walten lassen und diesen kurzen britischen Sommer als das seltene Vergnügen genießen, das er ist.“

L'Opinion (FR) /

Anpassung statt Ruhemodus

Frankreichs Umgang mit der Hitze ist keine langfristige Lösung, mahnt L'Opinion:

„Frankreich reagiert, indem es sich freiwillig in eine Art Lockdown versetzt: Schulen werden geschlossen, mündliche Abiturprüfungen verschoben und Feierlichkeiten abgesagt. Kurz gesagt: Das Land zieht die Notbremse. ... Tatsächlich haben wir jedoch zwei Möglichkeiten. Die erste besteht darin, zu jammern, alles zu verschieben und das Land in den Ruhemodus zu versetzen, sobald das Thermometer über 35 Grad steigt. Die zweite verlangt anzuerkennen, dass diese Hitzewellen immer häufiger und intensiver wiederkommen werden und dass ein modernes Land nicht mehrere Wochen im Jahr stillstehen kann. Anpassung bedeutet nicht, den Kampf gegen den Klimawandel aufzugeben, sie ist dessen logische Konsequenz.“

Népszava (HU) /

Seen brauchen unsere Hilfe

Das Austrocknen von Ungarns Seen sollte als Alarmsignal gewertet werden, fordert Népszava:

„In der Klimakrise gelten unsere flachen Seen als schwächstes Glied in der Kette ..., doch sie sind ein Zeichen für die Probleme des gesamten Ökosystems. Das Austrocknen dieser empfindlichen Gewässer ist ein Hilferuf der Natur – auch wenn wir davon oft nur so viel bemerken, dass die Strände am Seeufer geschlossen sind. ... Man bräuchte eine gute Rettungsidee, aber nicht nur für die Seen: Ganze Ökosysteme warten auf sofortige Hilfe. Wiederauffüllung klingt gut, reicht aber nicht aus: Wir brauchen Wasserspeicherung, die Wiederbelebung und Vernetzung von Gewässersystemen und – vor allem – die Erkenntnis, dass nicht nur unsere Seen in Schwierigkeiten stecken.“

Helsingin Sanomat (FI) /

Finnland wird zum Paradies

Der Klimawandel macht das Leben im Norden attraktiver, glaubt Helsingin Sanomat:

„In vielen Teilen Europas wird das Wasser langsam knapp. Dürre und Hitze vernichten die Ernten. Die Hitze fordert zudem Todesopfer. … In einer solchen Welt entwickelt sich Finnland im Hinblick auf das Wetter zu einem Paradies. Es wurde bereits vom Wachstum des 'Coolcation-Tourismus' gesprochen, doch dieses Phänomen könnte sich auch bei der Wahl des ständigen Wohnsitzes bemerkbar machen. Im Urlaub kann man vor der Hitze noch ans Wasser flüchten, aber im normalen Alltag muss man sich draußen aufhalten und ausreichend schlafen können. Auch wenn der dunkle und lange Winter im Norden Durchhaltevermögen erfordert, könnte er bald wie ein Kinderspiel erscheinen im Vergleich zu monatelanger, gnadenloser Hitze.“